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Kasan

Russland

Kasan – Schmelztiegel der Zivilisationen

Russland, Kasan

Seit Jahrhunderten leben in Kasan Vertreter von Islam und Christentum friedlich miteinander, Kirchen sowie Moscheen schmücken die Silhouette der Stadt. 

 

Von Pit Jantos (Text)

 

Die Hauptstadt der Republik Tatarstan, Kasan, ist neben Moskau und der „zweiten Hauptstadt“ St. Petersburg die heimliche „dritte Hauptstadt“ Russlands.

 Die 1,3 Millionen Einwohner leben in einer multinationalen und vielleicht der multikonfessionellsten Stadt. Sie feierte 2005 ihr 1000-jähriges Bestehen. Und sie ist inzwischen ein industrielles, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum an der mittleren Wolga, rund 800 Kilometer östlich von Moskau.

Russland, Kasan

Gegründet wurde Kasan im Jahre 1177 von den Wolga-Bulgaren, ab 1437 war Kasan die Hauptstadt des gleichnamigen Khanats und ein Handelszentrum mit prächtigen Palästen und Moscheen. Kasan war die erste nichtrussische Stadt des Russischen Reiches, nachdem Ivan IV. das Khanat 1522 dem Zarenreich einverleibt hatte. Unter Zar Peter I. wurde Kasan Hauptstadt des Gouvernements Kasan. Zarin Katharina II. beglückte die Stadt mit einem „General-Entwicklungsplan“, der Kasan zu einer Synthese aus Orient und Okzident werden ließ.

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So wurde die Stadt zunehmend ein wohlhabendes Handelszentrum. In Kasan existiert die zweitälteste russische staatliche Universität. Die Stadt war Zentrum der Orientalistik und des Islam. 

Im Jahre 1920 wurde sie Hauptstadt der Tatarischen ASSR. Die vielen Gotteshäuser zeugen von einem religiösen Zentrum Russlands: Moscheen neben orthodoxen Kathedralen, Gebetshäusern der Altgläubigen neben katholischen und protestantischen Kirchen und Synagogen neben Räumlichkeiten der Bahai.

Russland, Kasan

Kasan ist eine Stadt der Kulturfestivals, nicht nur der russischen Folklore und des tatarischen Sabantuj, sondern auch der Oper- und Literatur-Festivals, des Schaljapin-, des Nurejew- und des Rachmaninow-Festivals. Die multinationale Bereicherung hat sich auch in der Küche niedergeschlagen, in den kulinarischen Traditionen von Chasaren, Wolga-Bulgaren und Völkern Zentralasiens, von Tataren, Russen, Baschkiren und Tschuwaschen.

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Der wichtigste Fußballklub ist Rubin Kasan, der 2018 sein 60. Jubiläum feierte. Rubin war 2008 und 2009 russischer Meister sowie 2012 russischer Pokalsieger. Der Verein gastierte auch schon bei einem Trainingslager in Marienfeld.

2018 fanden in der Kasan-Arena mit 45 105 Plätzen Vorrunden-, Achtelfinal- und Halbfinal-Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft statt. Auch die deutsche Nationalmannschaft gehörte zu den Gästen im großen Stadion, das 2013 zur Universiade eingeweiht wurde.

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Der berühmte Tenor Schaljapin ist ein Sohn der Stadt Kasan. Er starb 1938 in Paris. Sein Grab befindet sich auf dem Moskauer Prominenten-Friedhof.

Ins Innere des Weißen Kreml mit der beherrschenden Kul-Sharif-Moschee kommt man durch den Spasski-Turm. Hehre orientalische Pracht offenbart dort Prunk und Stille. Die großen Gebäude der tatarischen Republik-Verwaltung korrespondieren mit der orthodoxen Maria-Verkündigungs-Kathedrale, dem sagenhaften schiefen Turm Suyumbike sowie mit dem Präsidentenpalast.

Am gegenüberliegenden Ufer des hier in die Wolga mündenden Flusses Kasanka befindet sich das Gebäude des Standesamtes, das in Form eines Kessels an ein Symbol für die Gründung der Siedlung erinnern soll.

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In den nördlichen Stadtteilen liegt neben anderen Sportstätten auch das große Fußballstadion. 

Am südlichen Kasanka-Ufer sieht man das stilvolle Gebäude des Landwirtschafts-Ministeriums und das Bogorotski-Kloster. Dieses Kloster beherbergt auch eine historisch sehr bedeutsame Kopie der in der Orthodoxie hochverehrten Ikone der „Gottesmutter von Kasan“. Ähnliche Kopien gibt es auch in den „Kasaner Kathedralen“ in Moskau und St. Petersburg.

Das Kloster Raifa, die Klosterinsel Swijaschsk und das Ausgrabungs- und Museumgelände von Bolgar haben eine ereignisreiche Geschichte. In Raifa herrscht nach der erzwungenen sowjetischen Periode heute wieder orthodoxe Vitalität. Die dortige Haupt-Kathedrale ist der Ikone der „Gottesmutter von Georgien“ geweiht. Das Kloster widmet sich neben der kirchlichen besonders auch der Jugendarbeit.

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Swijaschsk auf einer befestigten Wolga-Halbinsel erinnert an die historischen Ereignisse der „Eroberung“ des damaligen Khanats unter Iwan IV. Diesem Ereignis verdankt übrigens die Moskauer Basilius-Kathedrale ihr Entstehen.

Die Himmelfahrts-Kirche von Swijaschsk birgt großflächige alte Fresken. Viele andere erhaltene und renovierte Kirchen rufen zum Innehalten.

Bolgar, etwa 100 Kilometer Wolga-abwärts im Bereich des riesigen Kama-Staugebiets, ist eine sehr große Ausgrabungsstätte mit prachtvollen Museumsgebäuden und der „morgenländisch“ anmutenden „Weißen Moschee“.

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Die Erinnerung an die Vergangenheit unter den damals dort eingewanderten „Wolga-Bulgaren“, die später den gesamten südosteuropäischen Raum besiedelten, ist beeindruckend. War Bolgar früher nur nach einer mühsamen Überlandfahrt zu erreichen, so bieten heute schnelle Tragflächenboote auf der majestätischen Wolga eine erholsame Reise. Man bekommt einen Eindruck vom sagenumwobenen längsten Fluss Europas im „Mütterchen Russland“.

Wie der Kasaner Kreml gehören sowohl Bolgar als auch Swijaschsk zum Unesco-Weltkulturerbe. Eine Besonderheit in Kasan ist das „Deutsche Haus der Republik Tatarstan“.

In der neuen „Retortenstadt“ Innopolis auf dem Weg nach Swijaschsk ist eine gigantische Ansammlung von Bildungs- und Entwicklungsstätten fürs Computer-Zeitalter geplant, gewissermaßen Russlands „Silicon Valley“.

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Weitere Informationen

Informationen:  https://visit-tatarstan.com/de

Anreise: Es fliegen verschiedene Fluglinien von Deutschland nach Kasan. 

Ausflüge: Stadtrundfahrten, Stadtrundgänge und Ausflüge kann man unter www.getyourguide.de buchen. 

Unterkünfte: www.booking.comwww.hrs.de

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