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Meran

Pilgerstätte des Genusses

und

Alltag der Bergbauern

in Südtirol

 

Hotel Castel Fragsburg

Ich träume mehr, als dass ich fahre.

Alles geht irgendwie automatisch die letzten schmalen Sträßchen hinauf zu unserem neuen Urlaubsquartier. Das schmale Band schlängelt sich durch steile Weinplantagen und Apfelhaine, die im Frühling ein Blütenmeer  und jetzt im Herbst eine Eruption der Fruchtbarkeit sind.Südtiroler Äpfel

Dabei haben wir soeben unser Castel Fragsburg bereits von der Schnellstraße von Bozen nach Meran gesehen, wie es einem Adlerhorst ähnlich weit oben über dem Meraner Becken stolz auf einem Bergrücken thront.

Hotel Castel Fragsburg

Und dann ist es an diesem wunderschönen, sonnigen Herbsttag soweit. Inmitten von mächtigen Kastanienbäumen, Zypressen, Palmen und Tannen versteckt sich die Fragsburg, die vor langen Zeiten einst als Jagdschloss für das darüber liegende Schloss Freiberg genutzt wurde. Schon lange ist es mehr als ein Hotel. Es ist ein Mythos und eine Legende, ein Wallfahrtsort für Kenner und Gourmets.

Hotel Castel FragsburgUnd so verkosten wir nach einer warmherzigen Begrüßung auf einer freistehenden Himmelsterrasse erst einmal einen köstlichen Cocktail. Atmen tief durch, während das Auge weit hinein ins Ultental schaut und dann weiter in den tief unten liegenden Vinschgau schwenkt. Wie es dann im goldenen Mittagslicht an der mächtigen Texelgruppe ankommt, schlägt das Herz höher. Da sind wir andächtig vor Glück. Schnell ist die lange Anfahrt aus der Mitte Deutschlands mit einer Übernachtung hinter München und weiter über den Brennerpass vergessen. Jetzt heißt es erst einmal Abschalten, Fallenlassen und in Ruhe ankommen.

Während ich Schluck für Schluck den süffigen Cocktail genieße, wandern meine Erinnerungen zurück zu den Anfängen der achtziger Jahre. Da kommt mir die erste Begegnung mit Hans Gamper, dem  gestandenen, dienstältesten Bürgermeister Europas urplötzlich wieder in den Sinn. Eingesetzt von den Amerikanern hat er die Geschicke seines kleinen Städtchens Algund oberhalb von Meran weit über 50 Jahre gelenkt. Viel haben er und sein guter Freund Alois Schweigl, damals noch Präsident des Tourismusamtes von Algund, beim guten Roten über die Menschen hier erzählt. Dabei wohnten beide gut siebenhundert Meter hoch über den Köpfen der meisten Algunder in dem Weiler Vellau, der bis zum Bau einer Liftanlage 1959 und der ein Jahr später gebauten Strasse wie in vielen Gebirgsorten Südtirols noch beim Vorgestern stehen geblieben war. 

Meraner Land

Noch heute erinnere ich mich gut an eines seiner großen Ziele: Die Anerkennung und die Würde der vielen fleißigen Bergbauern für ihre große Mühe und ihr Wagnis, das sie auf diesen rauhen und wilden, steil abfallenden Feldern täglich eingehen. Gerade für die Jungbauern, so der damalige Bürgermeister, brauchte es sehr viel Mut und Unternehmenskraft, um auf den verbissen stehenden Höfen auf steilen Hängen zu bleiben. Mit großem Stolz erwähnte er, dass der Mythos vom Berghof tief in den Herzen der Menschen hier verwurzelt ist. Leider sind viele Jungbauern noch ledig, weil kaum eine junge Frau bereit ist, auf diesen einsamen Höfen leben zu wollen. Das hat sich bis heute nicht großartig geändert.

Der legendäre Bürgermeister ist lange tot und mit Alois Schweigl verbindet mich bis heute eine große Freundschaft.

Hotel Castel Fragsburg

Der freundliche Ober weckt mich aus meinen Tagträumen, als er mich nach einem weiteren Getränk fragt. Dankend lehne ich ab und beziehe erst einmal mein neues Zuhause mit duftendem Zirbenholz. Am frühen Abend schaue ich neugierig in holzgetäfelte Stuben, in den stilvoll eingerichteten Leseraum und genieße den schon fast privaten Rahmen dieses Hauses, der auch bei guter Auslastung gerade jetzt in der Herbstsaison nicht überlaufen wirkt. 

Danach bekomme ich im Wintergarten zum Abendessen einen Tisch zugewiesen. Wie dann mein 6-Gänge-Menü bei Kerzenlicht zelebriert wird, das vom begnadeten Küchenvirtuosen Luis Haller kreiert ist, der 2010 einen Stern für seine Küchenleistungen vom Guide Michelin bekommen hat, da bin ich restlos begeistert und dem Alltag weit entfernt.

Luis Hallers GebirgssaiblingAm nächsten Tag hat der frühmorgendliche Herbstnebel kleine Tropfen auf den Blättern hinterlassen und die Sonne hat sich größtenteils durchgesetzt. Da ziehe ich die Wanderschuhe an und fahre hinunter ins pulsierende Meran. Wie immer gilt mein erster Besuch den Bogengängen der Laubengasse in dieser altehrwürdigen Kurstadt.

Meran

Später spaziere ich durch den Kurpark und gehe dann hinüber zur tosenden Passer und erklimme wie so oft einige Höhenmeter des Meraner Talkessels, um dann den ebenen Tappeiner Weg mit seiner subtropischen Flora und der stimmungsvollen  Aussicht auf die Dächer der Kleinstadt Meran im Vorbeigehen zu genießen. Eine Aussicht, von der schon im letzten Jahrhundert der Geldadel und die Haute-Volée anlässlich ihrer Trauben-, Milch- und Molkekuren geschwärmt haben.

Südtiroler Waale

Unterhalb von Schloss Tirol erreiche ich den Algunder Waalweg. Auf ihm lasse ich beim leichten Murmeln und Rauschen des Wassers die Seele baumeln. Ist es doch ein Trampelpfad neben einem künstlich angelegten Wasserlauf, einem Waal, den sie auf diese Weise bereits im 13. Jahrhundert in ganz Südtirol zur Bewässerung der Apfel- und Traubenfelder mit Gletscherwasser angelegt haben. Dabei fällt jetzt der Blick über Algund mit den gepflegten Häusern und obstbäuerlichen Ensembles hinein in das weit geöffnete Etschtal. 

Meraner Land

Einige erholsame Tage später. Ich habe viele wunderbare Wanderungen unternommen und danach jeweils die milde Herbstsonne lesend auf meinem Balkon, im Garten inmitten subtropischem und alpinem Baumbestand und am Pool verbracht. Jetzt zieht es mich hinauf zu meinen Freunden nach Vellau. Diesmal aber fahre ich nicht mit dem Wagen hinauf oder lasse mich vom Sessellift hinauf tragen, sondern freue mich darauf, den Aufstieg am Fuße der Texelgruppe hinauf nach Vellau zu wandern.

Die Apfel- und Rebenplantagen bleiben zurück und der Mischwald verschluckt die lärmende Etsch. Einige Male kreuzt der steile Fußweg den Sessellift und die Serpentinen der schmalen Berstraße, bis ich von grasenden Rindern mit ihrem Glockengeläut auf buckeligen Weiden in der Nachmittagssonne in Vellau empfangen werde.  

Gasthof  „Gasteiger“

Jetzt fühle ich mich für die Mühe belohnt. Freue mich auf leckeren Südtiroler Speck, den es im Gasthof  „Gasteiger“, dem ältesten Wirtshaus von Vellau, bei meiner alten Freundin Helga Schweigl gibt. Zuerst aber begrüßt mich die freundlich lächelnde Wirtsfrau in ihrem weißen Kittel und setzt sich mit mir zum Wiedersehen an einen freien Tisch mit Sonnenschirm. Dabei ist der spektakuläre Blick in den weiten Vinschgau und ins Etschtal wunderbar klar und reicht bis zu den Ausläufern der Dolomiten in weiter Ferne.

Nur ein kurzes Stück ist es hinüber zum Vellauerhof zu meinem alten Freund Alois. Ihn treffe ich in der Küche mit seiner Frau Marianne an. Und wie die beiden mich sehen, da gibt’s ein langes, freudiges Wiedersehen.

Sohn Hans hat vor fünf Jahren den Hof übernommen. Wie ich ihn dann an seinem Computer antreffe, an dem er die Buchhaltung des Apfelhofes macht und die Hausgäste verwaltet, da erzählt er mir, dass er mittlerweile 12 000 Apfelbäume besitzt. „Golden Delicious“, so sagt er stolz, „ist meine Hauptsorte. „Danach folgen Jona Gold und Roter Delicious“.

Vellauerhof

Gerade jetzt hat er wenig Zeit, da die dreiwöchige Apfelernte bevorsteht. Ansonsten fährt er gerne nach der Arbeit hinunter nach Algund zu seinen Freunden. Mit ihnen geht er schon seit vielen Jahren zwei- bis dreimal im Jahr auf Tour. Da fahren sie zum Beispiel nach München zum Oktoberfest oder zum Gardasee. „Mal richtig einen drauf machen,“ lacht Hans vergnügt.

Mit meinem alten Freund Alois sitze ich noch einige Zeit auf der Bank vor seinem Hof und er erzählt von alten Zeiten. Zeiten, in denen es noch keine Straße oder einen Sessellift hier hinauf gab. Da lief er als kleiner Bub ins Dorf auf schnurgeradem Weg eine Dreiviertelstunde. „Mit Lebensmitteln voll bepacktem Rucksack dauerte der Aufstieg allerdings“, und da nickt er nachdenklich, „schon gut eineinhalb Stunden“. Und wenn hier oben jemand gestorben war, dann wurde er in einer Tragbahre den steilen Weg hinunter getragen, wobei sich mehrere Träger abgelöst haben. War der Weg zu steil, so musste man den Toten in der Bahre festbinden.

Von den Tiefen der menschlichen Existenz kommen wir dann über den Südtiroler Speck auf die Sterneküche, von der ich ihm ausgiebig erzählen muss. So hört der ehemalige Tourismusexperte genau hin, was ich ihm von 

Sternekoch Luis Haller

Luis Haller erzähle. Alois hat nämlich gerade noch vor ein paar Tagen in der Zeitung einen langen Artikel über den Shooting-Küchenstar Südtirols gelesen. Und so hört er gespannt zu, was ich ihm vom „Chef de cuisine“ Haller in meinem Hotel Castel Fragsburg erzähle. So ist Haller immer dabei, was Neues, Regionales zu suchen. Auch er stammt aus Südtirol, ist nur 10 Kilometer von Meran im Passeiertal aufgewachsen. Daher kennt er sehr viele Bauern und Produzenten. Schon in seiner Kindheit hat er gelernt, wie man sorgsam mit Lebensmitteln umgeht. Das Wichtigste für ihn ist dabei die Frische des Produktes. Dabei, so sagte er mir, muss er nichts verfälschen.

Wenn im Winter sein Hotel geschlossen hat, dann geht er in seiner Heimat auf Wanderschaft. Schaut sich die besten Produkte an, die in seine Küche passen und die er gut in einer Kombination zusammenstellen kann. Dabei ist es ihm sehr wichtig, dass seine gesamten Teller höchstens aus drei Komponenten bestehen.

Auf die Frage von meinem Freund Alois, wie lange er schon in der Fragsburg arbeitet, kann ich ihm antworten, dass er jetzt die sechste Saison dort drüben im Hotelrestaurant die Kochbrigade anführt und die Linie mit seinem Team jede Saison weiter entwickelt.  Vor drei Jahren war der bescheidene und zurückhaltende Starkoch dann selbst überrascht, als er seinen Michelinstern bekommen hat.

Und dann schauen wir beide lange Zeit stumm auf das tief unten liegende Algund mit seinem spitzen langen Kirchturm. Bis Alois mir dann die Burgen und Schlösser, die man von hier oben mit dem bloßen Auge ausmachen kann, mit ausgestrecktem Arm zeigt. „Früher“, so sagt er, „wurden die Burgen hier mit den Abgaben der Kaufleute finanziert. Heute muss man zusehen, dass man viel Geld verdient, um sein altes Gemäuer zu erhalten. Da heißt es, entweder man lässt die Ruine weiter verfallen oder man macht ein gut gehendes Weingut daraus oder aber auch ein Luxushotel.

Frieda und Alois Fischer vom Eicherhof.

Wie ich dann wieder in meinen luxuriösen Mauern bin und vom Balkon auf die Bergwelt schaue, denke ich noch lange über unser Gespräch nach. Und darüber, dass die Bergbauern hier im Sommer oft 15 oder 16 Stunden am Tag auf ihren alpinen Berghängen arbeiten und dabei keine Maschinen einsetzen können. Wie viele fleißige Bauern mögen wohl jetzt in dieser Minute hier in Südtirol ihrer harten Arbeit nachgehen, während mir das Castel Fragsburg in dieser Postkartenidylle himmlischen Frieden schenkt.

Gerd Krauskopf 

 

Infos:

Information zur Ferienregion Meraner Land:

www.meranerland.com/de.

Meraner Becken

 

Castel Fragsburg: Schloss-Hotel in Meran

Via Fragsburg 3

I- 39012 Meran - Südtirol

Tel: +39 O473 244O71

www.fragsburg.com 

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Castel Fragsburg ist Mitglied der Vereinigung Genießerhotels

 

Genießerhotels & -restaurants,

 

Bergstraße 12, 5020 Salzburg - Österreich

 

Tel. +43 (0)662 / 82 21 27

 

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www.geniesserhotels.com 

 

 Castel Fragsburg: Schloss-Hotel in Meran

 

Apfelbauer Hans & Alois Schweigl:

http://www.vellauerhof.com/

 Vellauerhof

 

 

 

 

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