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Bulgariens Nationalpark Pirin

Im Nationalpark Pirin ist Bulgarien alpin.

 

Bulgarien 

Wer aus Deutschland kommt, landet in Sofia und lässt sich nach einem kurzen "Einschwingen" im Sofia nahen Witoscha-Gebirge über die neu gebaute Autobahn bis in die Skiarena Bansko – dem Herzen des Pirin-Nationalparks – mit 75 Kilometer Pisten, modernen Hotels und Apartments chauffieren.

Von Gerd Krauskopf

Sonnen- und Goldstrand in Bulgarien sind bekannt. Aber Skilaufen in Bulgarien wohl kaum.

Und so landet an diesem sonnigen Wintertag meine Maschine auf einem Flughafen in Sofia, auf dem nichts an seine kommunistische Ära erinnert. Vielmehr betrete ich einen modernen, ästhetisch eindrucksvoll großen Glasbau, den ich auch kurze Zeit später verlasse. Hinter mir die Stahl- und Glasfassade, vor mir in der Ferne aber erst einmal das mächtig thronende, schneebedeckte Witoscha-Gebirge.

BulgarienUnd so mache ich mich dann am späten Nachmittag nach einer Führung durch die interessante Hauptstadt Sofia auf. Wie sich mein Bus dann auf der gepflasterten, holprigen Straße mühevoll die steilen Serpentinen hinauf quält, ist bei mir die Vorfreude auf das anstehende nächtliche Skivergnügen groß. Und so taucht mitten aus dem Dunkel der Nacht die lang ersehnte, hell erleuchtete Skipiste in einer Hochmulde auf.

BulgarienJetzt geht alles ganz schnell. Die bestellte Skiausrüstung wird in Empfang genommen und auf geht’s zur Piste. Wie ich kurze Zeit später den Skilift oben verlasse, komme ich mir doch etwas verloren vor. Da stürzen sich die jungen Leute rechts und links neben mir den steilen Hang hinunter, als würden sie nichts anderes in ihrem Leben machen. Im gemütlichen Tempo mache ich mich dann doch auf den Weg. Wohl wissend, dass ich lange nicht mehr auf den Brettern gestanden habe. Deshalb bewege ich mich auch auf den Pistenrand zu, der nur von wenigen genutzt wird. Wie mich dann meine Carving Ski ungewohnt einfach durch die steilen Kurven tragen, kommt Mut zu neuen Fahrten auf.

BulgarienAm nächsten Morgen macht sich der gestrige, ungewohnte Sport in den Oberschenkeln bemerkbar. Jetzt rächt sich, dass ich zu Hause  keine Skigymnastik gemacht habe. Und so schleiche ich mich aus dem Bett meines Hotels in Sofia zum Fenster. Schaue hinüber zur Siegesgöttin Nike vor der gigantischen bulgarisch-orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale, die auf beiden Türmen des Nationaltheaters Iwan Wasow siegessicher auf ihrem Wagen in diesem Moment bestimmt grinsend zu mir hinüber schaut. Nun, wenigstens ist keine Wolke am Himmel aus meinen halb geöffneten Augen zu sehen.

Und dann geht's endlich über die neu gebaute Autobahn ins Skigebiet Bansko im Pirin-Gebirge. Dort lasse ich aber erst einmal die Seele in meinem Hotel baumeln und genieße Bulgarienden Wellnessbereich – einen Ort der Entspannung in diesem Haus mit Sauna, großzügigem Pool, den ich zu dieser Zeit fast für mich alleine habe. Später, viel später, lindert eine bestens ausgebildete Therapeutin mit wohltuender Massage von Kopf bis Fuß mit einem Lächeln auf dem Gesicht meinen Muskelkater. Zum gemütlichen Ausklang des Tages lädt die traditionelle, überschwängliche bulgarische Küche ein.

Wie ich dann beim gestrigen Abendessen von diesen guten Pisten gehört habe, muss ich da auch auf den 2746 Meter hohen Todorka-Gipfel hinauf. Und so steige ich in den Banderitza-Sessellift, der mich hier von der Endstation der  Bansko-Seilbahn weiter hinauf zum 2600 Meter hoch gelegenen Plato bringen wird. Und weiter oben dann die sensationelle Abfahrtsstrecke, auf der sich die Ski-Profis einer Porsche-Rennstrecke ähnlich hinunter stürzen.

BulgarienWie jetzt der Lift auf dem Plato unterhalb des Todorka-Gipfels unter diesem stahlblauen Himmel endet, schaue ich mich erst einmal um inmitten des Pirin-Gebirges, einem einmaligen Bergpanorama im Südwesten Bulgariens, das auch abseits der festen Strecken „der“ Freeride-Hotspot zu sein scheint. Lange genieße ich die sensationelle, hochalpine Rundumsicht dieser beliebtesten Wintersportregion Osteuropas.

Ich jedenfalls entscheide mich für die blaue Strecke hinüber zum Mosta-Lift und dann weiter zur Banskoseilbahn-Endstation. Im gemütlichen Tempo gehe ich diese weniger steile Strecke an, meistere einige Abfolgen schwieriger Kurven und versuche, so sauber wie möglich zu fahren, wie ich es früher einmal gelernt habe.

Nach mehreren aufregenden Abfahrten endet meine Herausforderung dann für diesen Tag an einem verabredeten Sammelpunkt. Von hier aus habe ich mich einer geführten Touristengruppe angeschlossen und wir werden zu einer Berghütte gelotst, die äußerst versteckt auf einer Waldlichtung steht. Windgeschützt nehmen wir draußen an reichlich Bulgariengedeckten Tischen Platz und genießen das Mittagessen bei herrlichstem Sonnenschein. Danach gehen alle wieder auf die Piste. Ich jedoch lege mich gemütlich in einen Liegestuhl und genieße die nachmittägliche Sonne. In dieser Abgeschiedenheit und einer unendlichen Ruhe kommt tiefe Zufriedenheit in mir auf.

Weitere Informationen:

 Die meisten Hotels bieten Ihren Gästen einen Shuttle für die Fahrt vom Flughafen zum Hotel an. Andere lassen sich diesen Service extra bezahlen.

Individual-Touristen können einen Leihwagen buchen und so unabhängig die einzelnen Skigebiete, wie Bansko, Aleko (Sofia) oder auch Pamporovo anfahren.

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