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Galapagos-Inseln

Galapagosinseln

Eine lebenslange Liebe auf den ersten Blick für Professor Eibl-Eibesfeldt

 

Galapagosinseln

 

 Erinnerungen an Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt und seine Galapagosinseln –

ein Leben für die Arche Noah im Pazifik  

„Die starken Eindrücke, die ich auf dieser Reise empfing, prägten meine Liebe zu ihrer Lebenswelt, um deren Schutz ich mich in der Folge auch bemühte.“ 

(Irenäus Eibl-Eibesfeldt in seinem Buch „Galapagos“)

 

Von Uwe Junker

 

 Am 2. Juni 2018 ist der renommierte Verhaltensforscher Eibl-Eibesfeldt nach kurzer schwerer Krankheit kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres gestorben. Der Schutz der Galapagosinseln war ein wichtiger Meilenstein seines wissenschaftlichen Wirkens. Seine Liebe und tiefe Verbundenheit zu Flora und Fauna der Inseln vor der Küste Ecuadors übertrug sich auf mich als Mitglied der letzten Reisegruppe, die er im Jahre 2010 als wissenschaftlicher Leiter dorthin begleitete.   

 

„Ich möchte, dass du für ein Jahr ins Galápagos-Archipel reist, dort gibt es viel zu erforschen, fahr` mit dem Taucher Hans Hass. Mit deiner Frau habe ich schon gesprochen, sie ist einverstanden." Einem so einmaligen Angebot seines Doktorvaters Konrad Lorenz habe er nicht widerstehen können, obwohl seine Frau damals mit ihrem ersten Kind schwanger gewesen sei, berichtet der heute 81-jährige Eibl-Eibesfeldt uns Kreuzfahrern.

 

Galapagosinseln

Gerade mal 25 Jahre alt ist er, als er am 6. Januar 1954 in der Gardner-Bucht vor Espanola von Bord des Dreimast-Seglers Xarifa ins Wasser springt, dem Schiff des Tauchers und Meeresforschers Hans Hass. Als er auftaucht, blickt er in die Augen eines großen Seelöwenbullen, der aus seinem Rachen ein tiefes, bedrohliches Brüllen ertönen lässt, Schaumflocken tropfen von seinen Schnauzhaaren hinab. Eibl-Eibesfeldt macht sich flugs aus dem Staub und rettet sich an den Strand. Dort findet er sich inmitten eines Harems von Seelöwenweibchen wieder, die im Sand dösen. Die interessiert seine Anwesenheit ganz offenbar viel weniger als den dazu gehörigen Bullen. Sie schauen ihn nur gelangweilt an.

 

Galapagosinseln „Von nun an war es um mich geschehen, Galapagos war eine Liebe auf den ersten Blick“, erzählt er uns 56 Jahre später im Frühjahr 2010, diesmal an Bord der Motoryacht Isabella II, mit der wir als Teilnehmer einer Leserreise des Wochenmagazins „Die Zeit“ durch den Archipel kreuzen. Zu diesem Zeitpunkt ist Eibl-Eibesfeldt 81 Jahre alt, sein Haar schlohweiß, sein Gesicht von Falten zerfurcht. GalapagosinselnDennoch geht von ihm auf diesen „seinen“ Inseln eine ungebrochene mentale und physische Vitalität aus, er nimmt an allen Aktivitäten teil. Bei einem Schnorchel-Trip zwischen Schildkröten und mit uns spielenden Seelöwen schwimmt er neben mir – in einem abgewetzten Schlafanzug. „Meinen Sie etwa, ich steige in so einen Leih-Tauchanzug, vom dem ich weiß, dass zahllose Vorgänger schon in ihn hinein gepinkelt haben“, antwortet mir auf meinen fragenden Blick. Wir müssen beide lachen – aber ich fühle mich in meinem geliehenen Shorty unvermittelt unbehaglich…            

Ein Segen, dass er 1953 lossegelte - für die Wissenschaft, für Galápagos und nicht zuletzt für uns Menschen. Sein Wirken und seine häufige Präsenz auf Galápagoshatten maßgeblichen Anteil an der Etablierung des dortigen GalapagosinselnNationalparks. „Als ich damals mit Hans Hass auf Galapagos landete, waren die Inseln einer brutalen Plünderung ausgesetzt“, erinnert sich der charismatische Verhaltensforscher bei einem seiner abendlichen Vorträge. „Die Kalifornier jagten die Pelzrobben, Elefantenschildkröten wurden überall verspeist. Die Siedler schossen Bussarde, eingeschleppte Ziegen richteten verheerende Schäden an. Das Labor der Evolution war in Gefahr.“  Zurück in Europa entscheidet sich Eibl-Eibesfeldt, einen großen Teil seines weiteren wissenschaftlichen Wirkens den Galapagos-Inseln zu widmen. Sein alarmierendes Memorandum für die Vereinten Nationen, deren Expeditionsauftrag an ihn 1957 und sein daraus resultierender Unesco-Bericht „Survey on the Galápagos- Islands“ führen 1959 dazu, dass die Regierung Ecuadors 97 Prozent des Archipels zum Naturschutzgebiet erklärt. 1960 bereichert Eibl-Eibesfeldt GalapagosinselnHeinz Sielmanns Film „ Galápagos – Landung in Eden“ mit faszinierenden Unterwasseraufnahmen. 1962 wird  deren gemeinsames Werk bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären prämiert.       

          

Eibl-Eibesfeldt vermittelt uns Einblicke in das Balzverhalten von Meerechsen, die GalapagosinselnEntwicklung der verschiedenen Darwinfinken und das Brutverhalten der heimischen Vögel. Das gleicht durchaus dem der Menschen. Wenn auch seine Überzeugung, die Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung der Tiere ließen sich auch auf Menschen übertragen, teilweise kritisiert wurden, so sind seine Präsentationen und die vielen Galapagosinselnspontanen Einzelgespräche doch ein Genuss für jeden Mitreisenden. Er steht in der Nachfolge jenes Charles Darwin, der als studierter Theologe vor 150 Jahren mit seinem Buch "The Origin of Species" den Grundstein der Evolutionstheorie legte, damit das Selbstbild des Menschen als Gottes Meisterwerk zerstörte, aber dennoch den Glauben an Gott als Kraft hinter dem evolutionären Regelwerk nie verlor. Als Galapagosinseln„Vorgärten der Hölle" bezeichnete Darwin dieses fast nur aus schwarzem Lavagestein, sehr karger Vegetation und aus der Vorzeit anmutender Tierwelt bestehende Archipel. Bereits 1838 entwarf Darwin seine Theorie der Anpassung an den Lebensraum durch Variation und natürliche Selektion und erklärte so die evolutive Entwicklung aller Organismen. Und diese einzigartige Anpassung sehen wir hier: flugunfähige Kormorane auf GalapagosinselnFernandina, die ihre Stummelflügel zum Trocknen ausbreiten. Warum fliegen, wenn das Meer vor der Haustür vor Nahrung überquillt und man 40 m tief tauchen kann? Die Schnauzen der Meerechsen, deren schwarze Körper sich kaum vom Lavagestein Galapagosinselnabheben, sind mit Salz verkrustet. Da die Inseln arm an Süßwasser sind, hat sich das Atemwegssystem dieser Echsen zu einer Meerwasser-Entsalzungsanlage entwickelt. Regelmäßig prusten die Reptilien gut hör- und sichtbar Salz hinaus.

 

Nach den Ehrfurcht gebietenden riesigen Landschildkröten auf Santa Cruz benannten die spanischen Eroberer einst die ganze Inselgruppe. Ihr Panzer ist vorne wie ein Sattel (span. galápagos) nach oben gebogen, um ihnen das Fressen von Blättern höher gewachsener Sträucher zu ermöglichen Viele dieser Tiere hier sind endemisch. Die 1.000-km-Entfernung vom nächsten Festland ermöglichte der Fauna und Flora auf den Galápagos-Inseln ihre einzigartige Entwicklung.Galapagosinseln"Ist diese Pflanze, ist dieses Tier hier endemisch?," ist während der Reise eine immer wiederkehrende Frage an unsere Reiseleiter. Als wir sie bezüglich eines großen Schwarms kleiner Fliegen an Eibl-Eibesfeldt stellen, schaut er sich zunächst den Schwarm und ihre Flugformation genau an, zögert dann aber nicht lange und fängt mit seinem Hut eine Fliege. Wir helfen ihm, sie in einem vorsorglich im Rucksack mitgebrachten Glasgefäß zu verstauen, weil er dieser Frage zu Hause nachgehen wird. Ein anderes Mal wird der sonst so ruhige und Zufriedenheit ausstrahlende Forscher erstaunlich ungemütlich: Zwei männliche Meeresechsen haben sich aus einiger Entfernung wahrgenommen, ein Revierkampf steht offensichtlich kurz bevor. "Sehen sie denn nicht, welche Szene sich da gerade aufbaut?“, wird einer unserer Mitreisenden von ihm plötzlich schroff angefahren. Der hatte gerade gedankenverloren zwischen den Tieren durchgehen wollen. Für uns ist es dadurch mit der Beobachtung leider vorbei, wahrscheinlich wird der Kampf erst beginnen, wenn die lauten Menschen wieder weg sind. Und damit wären wir bei dem aktuell drängendsten Problem dieser Arche Noah im Pazifik: der Begrenzung des Tourismus. 

 

Deren Notwendigkeit hat auch der streitbare Eibl-Eibesfeldt erkannt, legte sich zuletzt mit der Tourismusindustrie an, die er aufforderte, Galápagosfür Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 100 Passagieren zu sperren. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ antwortete er auf die Frage, ob man denn die Inseln nicht ganz von Touristen verschonen solle, ganz auf die ihm eigene differenzierte Weise: „Nein, dann würde die Bevölkerung nicht mehr verdienen, und Galápagos wird vergessen. Wer ein gutes Gewissen hat, soll hinfliegen, weil er helfen und auch was zahlen kann. Jene, die kein Gewissen haben, fahren sowieso hin.“ Immerhin hat sich in den letzten Jahren Erfreuliches getan: mehr Windräder statt Dieselgeneratoren zur Stromerzeugung und ein konsequentes Vorgehen gegen illegale Besiedlung.

 

Er war Universalgelehrter: Zoologe, Botaniker und Humanethologe. Professor Eibl-Eibesfeldt haben Flora und Fauna des Galápagos-Archipels unendlich viel zu verdanken- und natürlich die Verhaltensforschung insgesamt. Denn nicht nur sein Engagement für diese wunderbare vulkanische Inselwelt wird in Erinnerung bleiben. Sondern auch seine unbeirrbar  gegen viele Kritiker vorgetragenen Ergebnisse jahrzehntelanger Untersuchungen menschlichen Verhaltens in unterschiedlichsten Regionen der Welt: So gelangte er beispielsweise zu der Überzeugung, dass jedem Mensch eine gewisse Scheu vor dem Fremden angeboren sei, vollkommen unabhängig von seiner kulturellen Zugehörigkeit. Daher müsse Zuwanderung begrenzt werden. Fremdenhass dagegen sei anerzogen. Und er stellte mit dem Hinweis auf 200 Millionen Jahre Brutpflege die Forderung auf, die traditionelle Mutterrolle als Beruf anzuerkennen – zwei Thesen von aktuell hoher politischer Brisanz. 

„Wir verlieren einen großartigen Menschen, Wissenschaftler, Mentor und Freund, der viele Leben in einem gelebt hat, engagiert, unermüdlich und stets neugierig. Er war einer der letzten großen Naturforscher, der Wissenschaft auch als Abenteuer betrieben hat“, schrieb Christa Sütterlin, seine langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin in ihrem Nachruf. 

      

Weitere Informationen:

Die Inselgruppe besteht aus 14 größeren Inseln (Isabela, Santa Cruz, San Salvador (Santiago, James), Fernandina, San Cristóbal, Floreana (Santa Maria), Marchena, Española, Pinta, Santa Fe, Genovesa, Pinzón, Baltra und Rábida) und über 100 kleineren bis winzigen Inseln. 

Fünf Inseln sind besiedelt:Santa Cruz (ca. 15.000 Einwohner), San Cristóbal (ca. 5.600), Isabela (ca. 950), Floreana (Santa Maria) (ca. 100) und Baltra (Seymour Sur), wo sich einzig der Hauptflughafen befindet. Mittlerweile gelten mehr als die Hälfte aller heimischen Tierarten und jede fünfte Pflanzenart als bedroht. 

 

Information und Buchung:Zeit Reisen, 20079 Hamburg, Tel.: (0 40) 32 80-4 55, Fax: (0 40) 32 80-1 05,  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kreuzfahrt im Rhythmus der Natur. Hier am Äquator geht um die Sonne um 6 Uhr auf, um 18 Uhr versinkt sie zumeist in Form eines spektakulären Sonnenuntergangs.Galapagosinseln Wer eine Kreuzfahrt à la Clubschiff erwartet, wird enttäuscht sein. Animateur ist auf Galápagos die Natur in ihrer unendlichen Vielfalt. Nach dem Frühstück um 7 Uhr beginnt um 8 Uhr bereits der erste Landgang. Vor dem Mittagessen darf noch geschnorchelt werden, bevor am Nachmittag ein ähnliches Besichtigungsprogramm startet. 

Nach Sundowner vor stiller Naturkulisse und Vorträgen der die Reisen begleitenden WissenschaflerInnen lebt das Abendprogramm ohne Garderobenzwang vom geselligen Austausch über Erlebtes oder am nächsten Tag zu Erwartendes. Ein Aktivurlaub der besonderen Art, ein sehr intensives Naturerlebnis, das lange nachwirken wird und bei den meisten Reisenden die Erkenntnis wecken dürfte, dass auch wir Menschen nur ein Teil dieses fragilen, einzigartigen Ganzen sind - und mit ihm untergehen, wenn wir es nicht bewahren.

 

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