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Karlsbad

In Karlsbad Vergangenheit spüren

und Gegenwart genießen

Mühlbrunnkolonnade Karlsbad

Blitze zucken über den dunklen Himmel und es kracht mächtig.

Regen fällt hernieder und ich stehe bis zur Brust im Wasser und lehne mich genüsslich ohne Angst an den Beckenrand des Schlossbades. Schaue fasziniert zur Decke, wo das ganze Szenario künstlich über eine gigantische Licht- und Tonshow inszeniert wird.SchlossbadHier also in diesem Tal soll der Sage nach der Böhmische König und römischdeutsche Kaiser Karl IV. bei der Hirschjagd inmitten der tiefen Urwälder von Loket die sumpfig stinkenden und qualmenden Moore und Tümpel mit siedendem Wasser entdeckt haben. Und wie dieses mysteriöse Wasser auch noch die Schmerzen in seinem Fuß gelindert hat, da soll er eine kleine befestigte Burg an dieser Stelle erbaut haben, aus der dann später die Stadt Karlovy Vary, Karlsbad, entstand, die zweimal durch Feuer und Hochwasser vernichtet worden ist. 

Karlsbad

Heute entspringen hier in diesem mondänen Kurort 120 Quellen, wovon aber nur 13 medizinisch genutzt werden. Nur in den Wandelhallen stehen dem Kurgast mit Verdauungskrankheiten wie Magen-, Gallen- und Darmkrankheiten verschieden warmes und bis 73 Grad heißes Wasser zur Verfügung, das eine Stunde vor dem Essen auf nüchternen Magen bei guter Bewegung getrunken werden soll.

Für die Anwendungen wird das Wasser für Wannenbäder oder Darmspülungen zum Beispiel über eine 5 Kilometer lange Rohrleitung in 25 Hotels geleitet.

Dabei ist das Thermalwasser reines Regenwasser, dass vor tausenden von Jahren bis in eine Tiefe von gut 2500 Metern gesickert ist. Dort trifft es auf die vulkanische Magma und schießt mit Gas angereichert über Wasserkanäle nach oben bis etwa 100 Meter unter der Erdoberfläche. Dort verteilt es sich hoch angereichert mit einer Mischung natürlicher Stoffe auf  die einzelnen Quellen.

Vřídelní Kolonáda

Sehr anschaulich wird in der Vřídelní Kolonáda über dem Fluss Teplá in einem Schaukasten der geologische Querschnitt dieser vulkanischen Region gezeigt. Da sieht man, dass die ersten 16 Meter im Erdinneren aus braunem Sprudelstein bestehen, der viele Ablagerungen von Mineralien enthält. Man verwendete ihn früher auch als Baumaterial. Darunter folgt Granit, wo das heiße Wasser über 4 Bohrungen bis in einer Tiefe von 92 Metern mit einer Temperatur von 73 Grad gefördert wird. Sehr anschaulich sieht man den Quellenauslauf auch im Untergrund der Karlsbaderquelle bei der Vřídelní Kolonáda.Untergrund der Karlsbadquelle

Mit 6 Regulationsbohrungen, die genau zwischen dem Sprudelstein und dem Granit enden, wird der Gasdruck reguliert. Früher hat genau dieses Gas für viele große Ausbrüche gesorgt und daher große Probleme bereitet. So wird heute alle 6 Sekunden der Gasdruck, die Wassertemperatur sowie die Ergiebigkeit gemessen und ausgewertet. Würde es nicht kontrolliert, so könnte es passieren, dass plötzlich auf der Straße oder in irgendeinem Keller eine neue Quelle ausbricht.

Den letzten Wildausbruch im Jahre 1807, bei dem seinerzeit ein Haus zerstört wurde, hat Goethe hier noch miterlebt. Dem zur damaligen Zeit wohl bedeutenden „Popstar“ Goethe sagt man hier hinter vorgehaltener Hand nach, dass er nicht nur wegen der heilenden Quellen 13 mal hier gewesen sei, sondern der hübschen Frauen wegen. Letztmalig hat man ihn hier im Kaiserwald im kleinen benachbarten Burgstädtchen Loket gesehen, als er seinen 74. Geburtstag mit seiner 19 jährigen Freundin Ulrike von Levetzow feierte und dabei von der Familie die Abweisung seines Heiratsantrages bekam. Da mutmaßt man heute, dass die Mutter der jungen Ulrike wohl die größere Anwartschaft gehabt habe.

Karlsbad Marktbrunnkolonnade

Karlsbad, die Kurstadt der berühmten Besucher, blickt auf eine unglaublich lange Prominentenliste zurück. Bei der die zwei Kuraufenthalte des Russischen Zaren Pjotr Alexejewitsch Romanow, Peter der Große, wohl zu den berühmtesten gehören. Ihm folgten zahlreiche polnische und russische Adelige. Der russische Geldadel ist bis heute in der Sprudelstadt geblieben und besitzt mittlerweile einen großen Teil der von ihm gut renovierten, prächtigen Jugendstilbauten.

Mit freundlichem Lächeln werde ich im Schlossbad von der jungen Dame aus meinen Tagträumen geholt und aus dem Thermalbad ins Fußbad gebeten. Hier soll ich 15 Minuten lang jeweils für eine Minute im heißen Fußbad verweilen, und dann für eine halbe Minute ins eiskalte Bad wechseln. Ein Titan der Abhärtung, wie ich blitzschnell feststelle. Diese Herausforderung ist jedenfalls enorm. Das heiße Bad kommt mir vor wie flüssiges Magma, im eiskalten Wasser geht nichts mehr. Was sich erstaunlicherweise recht schnell als gar nicht so unangenehm herausstellt. Wie ich fast alleine in dieser mächtigen Halle von einer Seite zur anderen wandele, kommen mir die vielen jungen Leute in den Sinn, die diesen ansonsten ruhigen Kurort anlässlich des Internationalen Filmfestivals - dem Top-Event des Jahres - für eine Woche lang komplett auf den Kopf stellen. Zählt es doch zu den bedeutendsten Filmfestspielen in Mittel- und Osteuropa und wird in diesem Jahr zum 47. Mal durchgeführt.

Filmplakat „Kamihate shoten“

Da denke ich zurück an die beiden Filme, die ich mir zu diesem Anlass angeschaut hatte. Der eine, der japanische Film „Kamihate shoten“, wurde im Hotel Thermal gezeigt, der „Betonburg“, wie Einheimische dieses Betonhochhaus nennen, das noch vor der Wende im Jahre 1975 errichtet wurde. Nur konnte ich nicht viel anfangen mit diesem avantgardistisch angehauchten Arthouse-Film. Zwar waren die Landschaftsaufnahmen und die gesamte Bildästhetik gelungen. Die Handlung war jedoch schleppend und der Film insgesamt zu lang.

Festsaal des „Grandhotel Pupp“

Der zweite Film „Aurora“, im legendären Festsaal des „Grandhotel Pupp“ war für mich auch „schwere Kost“, den ich dann wie einige andere schon frühzeitig verlassen habe. Der Film war zwar gut gemacht, wurde aber surreal, je länger ich ihn anschaute. Das Spielen mit tierischen Instinkten des Menschen war mir dann doch zu viel.

Jiří Bartoška, Präsident des Filmfestivals von Karlsbad

Auf den Punkt dagegen war für mich die Festivalnacht der Stadt Karlovy Vary im Posthof „Poštovní Dvůr“. Während die internationale mittel- und osteuropäische Filmwelt unter freiem Abendhimmel von legerer bis gestielter Kleidung zu speisen pflegte, wurde der Abend vonDavid Deyl mit Band, David Wiljo Kangas

Bony M Revival Party Band

US-Sänger und Trompeter David Wiljo Kangas hervorragend eingestimmt. Während David Deyl mit seiner Band bereits Begeisterungsstürme entfachte, riss die Bony M Revival Party Band auch den letzten Gast von seinem Stuhl.

Ich muss wohl länger als 15 Minuten vom warmen ins kalte Fußbecken gewechselt haben, denn wieder erscheint die freundliche junge Dame und signalisiert mir, dass man mich bei der Rücken- und Halsmassage erwartet. Und so mache ich mich auf den Weg, gehe ums Thermalwasserbecken herum zum Massageraum, wo ich mit freundlichem Händedruck begrüßt werde.

Ehe ich mich versehe, liege ich auf  der Massageliege auf dem Bauch und bekomme kräftige Hände auf meinem Rücken zu spüren, die mich flink massieren. Dabei fallen mir die kräftigen Männer der Moser Glashütte ein, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts als Hoflieferant von Kaiser Franz Josef I., des persischen Schahs Musaffereddin und des englischen Königs Edward VII. feinstes Glas herstellten und so den Ruf des prestigeträchtigsten Glasherstellers in der österreichisch-ungarischen Monarchie ermöglichten.

Moser Glas

Noch heute, nach über 150 Jahren, arbeitet das Moser Glaswerk mit den Begabtesten bildenden Künstlern, Glasbläsern und Graveuren. Dabei arbeiten 350 Arbeiter an den Glasöfen an 7 Tagen in der Woche - auch an Feiertagen - rund um die Uhr. In einem Team von 3 Männern nimmt das Glas ein Arbeiter aus dem Ofen, der Zweite bläst es und die handwerkliche Meisterhaftigkeit der Glasbläser setzt der Meister dann um.

Heute ist es für Moser ein großer Erfolg, dass Amerika und Russland zu den Hauptabnehmern gehören, während Thailand, Japan und Südkorea Gläser mit Gravuren schätzen. Groß im Kommen sind auch der arabische Markt und China.

Moser Glas-Weltkugel

Stolz ist man darauf, dass man das Internationale Filmfestival in Karlsbad beliefert. So stammt der Hauptpreis des Festivals, ein Kristallglobus, aus dem Moser Glaswerk und wird jedes Jahr an einen der weltberühmten Filmstars verliehen.

Fertig sind Rücken und Hals massiert. Ein fester Händedruck, eine freundliche Verabschiedung und ich gehe hinüber ins Schlossbad, suche mir eine Liege und gönne mir eine lange Ruhepause. Dabei zucke ich zusammen, als mich schweres Gewitter für die nächsten Gäste aus meinem Traum heraus reißt. Und dann staune ich mit den neuen Badegästen über einen wunderbaren Sternenhimmel mit Halbmond.

Gerd Krauskopf

Schlossbad Karlsbad

 

 

 

Infos:

 

Manktbrunnkolonnade Karlsbad

Karlovy Vary (Karlsbad)

www.karlovyvary.cz

Husovo náměstí 2, 360 01 Karlovy

Tel. infocentrum: +420 355 321 171321 165 (fax) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  

Öffnungszeit:

Mo - Fr 08:00 - 16:00 Uhr

 

Sprudelstein-Ablagerungen Karlsbad

Untergrund der Karlsbadquelle

http://www.euroagentur.com/de/reisetipps/untergrund-des-karlsbaderquelle

 

Karlsbader Filmfestspiele

Festsaal „Grandhotel Pupp“

Karlsbader Filmfestival

www.kwiff.com

Im nächsten Jahr findet es statt vom 28.Juni bis 6.Juli 2013.

 

Lohnende Ausflüge:

 

Burg Loket

Burg Loket

www.hradloket.cz

Folter Burg Loket

 

 

Burg & Schloss Bečov

Burg & Schloss Bečov

www.zamek-becow.cz

 

Becherovka

Becherovka

www.becherovka.cz/

 

Karlsbad

 Weitere Informationen:

Tschechische Zentrale für Tourismus - CzechTourism

Große Friedberger Straße 6

D-60313 Frankfurt am Main 

Tel: +49 69 219 985 87

Fax: +49 69 219 985 88

Ansprechpartner: Mr. David Pastva

E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Web: http://germany.czechtourism.com

Geschäftsstunden: Mo - Fr: 09:00 - 12:00 und 13:00 Uhr.

 

 

 

 

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