Menschen, Reisen, Abenteuer Headgrafik

Bratislava

Bezauberndes Bratislava im Dreiländereck

 

Bratislava

Glorreiche und bewegte Zeiten hat die slowakische Hauptstadt Bratislava hinter sich. Daran erinnern zahlreiche historische Gebäude in den verschiedensten Baustilen. Eine äußerst günstige strategische Lage zeichnet Bratislava aus. Die 450 000-Einwohner-Stadt – deutscher Name: Pressburg  liegt im Dreiländereck von Slowakei, Österreich und Ungarn. Von der Burg reicht der Blick nach Österreich auf die Pannonische Tiefebene. 

  

Von Norbert Krauss

 

Die Grenze zwischen Slowakei und Österreich verläuft in der Mitte der 300 Meter breiten und zwei bis zweieinhalb Meter tiefen Donau. Über der Stadt thront die Burg Bratislava. Ursprünglich Herrensitz, beherbergt sie heute das Geschichtsmuseum. Vom 47 Meter hohen Kronenturm, in dem einst die königlichen Kronjuwelen aufbewahrt wurden, bietet sich eine wunderschöne Aussicht. Im Innenhof finden im Sommer Ritterspiele und Shakespeare-Aufführungen statt. Anlässlich der Gründung der Tschechoslowakei vor hundert Jahren wird in der Burg bis zum 9. September eine Ausstellung gezeigt. Stadtführerin Elena zur Trennung des Staates in Tschechien und Slowakei vor Jahren: „Das Verhältnis zueinander war nie so gut wie heute.“ Sie verweist auf eine Tafel unter drei Linden, die daran erinnert, dass 1968 die Föderation zwischen beiden Ländern entstand.

Bratislava

Eine hervorragende Aussicht auf die slowakische Metropole und bis zu hundert Kilometer ins Umland bietet sich vom UFO-Turm auf den Pfeilern der Donaubrücke – im Vordergrund die St.-Martins-Kathedrale, dahinter die Burg. Ein Aufzug befördert die Besucher auf die Plattform des 1975 gebauten „kleinsten der größten Türme der Welt“ in einer Höhe von 95 Metern. Die St.-Martins-Kathedrale ist eine gotische Dreischiffkirche aus dem 15, Jahrhundert und ehemalige Krönungskirche. Erinnerung an diese glorreichen Zeiten ist eine vergoldete 150 Kilogramm schwere Replik der Krönungskrone, aufgesetzt auf die Spitze des Kathedralturms in einer Höhe von 85 Metern.

 

Vom Michaelertor, dem einzigen noch erhaltenen Turm der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert und heute Museum mit einer Exposition von Waffen und der Pharmazie, ist es nicht weit zu einem in das Kopfsteinpflaster eingelassenen Kreis, auf dem die Entfernungen zu anderen Hauptstädten eingetragen sind. Als einer der schönsten und repräsentativsten Gassen der Altstadt gilt die Michaelgasse, in der einige Botschaften ihr Büro haben. Stadtführerin Elena: „Die ehemaligen Holz- und Kohlenkeller unter der Straße wurden inzwischen in Weinkeller umgewandelt.“ Vorbei an weiteren schmalen Gassen beiderseits gelangt man zur Heiligen-Franziskus-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, dem ältesten Gotteshaus der Stadt. Hier wurden die ersten Könige Ungarns gekrönt. Im Kloster nebenan leben heute 24 Franziskaner-Mönche. Die Stadtführerin erzählt dazu eine nette Anekdote: „Wenn die Glocke vom Turm läutete, konnte man Bier trinken.“

 

In der Galerie der Stadt Bratislava erwarten den Besucher alte und moderne bildende Kunst. Im Mirbach-Palast, benannt nach seinem letzten Besitzer Emil Mirbach, erweckt neben einer permanenten Ausstellung europäischer Barockgemälde eine französische Rokokographik die Aufmerksamkeit, im Pálffy-Palast sind es eine keltische Münzprägestätte und die slowakische Moderne.

Bratislava

Der Marktplatz ist von schmucken Patrizierhäusern umgeben. In der Mitte sprudelt ein Brunnen mit einer Skulptur des Ritters Roland. An einer Straßenecke wurde vor dem Café Mayer, einem der besten in der Stadt mit Kalorienbomben, dem schönen Ignaz ein Denkmal gesetzt. Der elegante Kaffeehaus-Betreiber im Frack mit Stock und Zylinder begrüßte seinerzeit seine Gäste ausgesprochen höflich – mit freundlichen Worten und indem er seinen Hut zog. In der gleichen Straße taucht die Bronzestatue eines Mannes aus einem Gulli auf – bekannt als Cumil oder „Rubberneck“. Sie ist eine der beliebtesten Fotomotive in Bratislava. Ein Verkehrsschild mit dem Hinweis „Mann bei der Arbeit“ warnt vor Cumil, nachdem mehrere Autos gegen ihn gefahren waren. Ein anderes Denkmal ist der Kerzenmanifestation vom 25. März 1988 gewidmet, die den Anstoß zur „sanften Revolution“ gab.


Der Herstellung der traditionellen Majolika hat sich Renáta Hermysová in Pezinok seit frühester Jugend verschrieben. 200 verschiedene Produkte entstehen in der kleinen Werkstatt. Die Töpferscheibe dreht sich, während Marek, seiner Chefin zufolge einer der besten Töpfer der Slowakei, aus Ton eine Vase formt, die anschließend im Ofen gebrannt wird. „Die schwerste Arbeit wird von den Maschinen übernommen“, erklärt die Inhaberin der Töpferei. „Alte Muster werden wieder verwendet.“ Sie ist seit 1989 selbstständig und beschäftigt 13 Mitarbeiter, unter ihnen auch Menschen mit Behinderung. Ihre Marke ist geschützt; außerdem besitzt sie ein Zertifikat für duale Ausbildung.

Bratislava

In der Nähe von Bratislava strategisch günstig gelegen ist die Burg Cervený Kamen, auf Deutsch Rotenstein. „Seinen Namen verdankt die Burg dem wegen des hohen Eisengehalts rötlichen Gestein“, betont Burgführer Juraj. Das Anfang des 13. Jahrhunderts errichtete Bauwerk wurde im 16. Jahrhundert von der Augsburger Familie Fugger gekauft und vollständig umgebaut. Die Familie Pálffy erwarb später die Burg und lebte 400 Jahre lang hier, bis sie 1945 die Burg verlassen musste, als diese von der Sowjetunion konfisziert wurde. Burgführer Juraj zeigt die luxuriös möblierten Räumlichkeiten, die nach 1989 zu einem Museum wurden.

Bratislava

Der Saal im Barockstil mit zwei künstlichen Grotten wird heute zu Festen genutzt. Die Apotheke aus dem 18. Jahrhundert, die älteste der Slowakei, wurde einst „Goldener Adler“ genannt. Burgführer Juraj: „Man konnte hier damals auch Süßigkeiten kaufen.“ Der hundert Meter tiefe Brunnen im Keller spielte bei Belagerungen eine wichtige Rolle. Für seinen Bau wurden 40 Jahre benötigt. Die Familie Pálffy stellte Wein her und lagerte ihn im Keller – mit 79 Meter Länge, zehn Meter Breite und 13 Meter unter dem Erdboden einer der größten Keller in Mitteleuropa. „Wegen der guten Akustik finden hier viele Konzerte und andere Veranstaltungen wie Hochzeiten und Weinfeste statt“; sagt Juraj.

 

 Gleich hinter den Torder Hauptstadbeginnt die Kleinkarpaten-Weinstraße. In Svätý Jur haben sich 30 Winzer zusammengetan, die altewiederbeleben wollen. Bisher werden Silvaner, Welschriesling und Riesling angebaut, Rotweine sind geplant. Mit einem Glas in der Hand können Besucher von Weinbauer zu Weinbauer gehen und die Weine probieren oder einen Spaziergang durch die Weinberge unternehmen. Doch es lohnt sich, zuvor das aufpolierte 6000-Einwohner-Städtchen zu erkunden. 

Bratislava

Der 27-jährige Michael, der in einem Renaissance-Haus wohnt, produziert nach erfolgreichem Studium der Weinwissenschaft seit fünf Jahren auf einer Fläche von zwei Hektar Wein. In der Vinothek gibt es nur lokale Weine. Insgesamt 5000 Flaschen werden dort pro Jahr produziert. „Der Karpatenboden ist ziemlich steinig, mit der Wachau vergleichbar“, meint Natalia. „Die Weinfelder sind steil und schwer zu bearbeiten. Da ist viel Handarbeit nötig.“ Róbert erzielt in seinem in einem ehemaligen Kloster untergebrachten Weingut 25 000 Liter, das sind 30 000 Flaschen. Seine Palette umfasst 18 verschiedene Weine, mit denen mehrere Restaurants in Bratislava beliefert werden. Da muss man schon Glück haben, um ein Glas des seltenen Rebensaftes abzubekommen.

Bratislava

 

Weitere Informationen:


Tourismus-Vertretung der Slowakischen Republik, Tel. 030/25 94 26 40,  

office.de@slovakia.travel

   www.slovakia.travel.

Touristeninformationszentrum der Stadt Bratislava, Tel. 0421/2 5443 4059,  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! www.visitbratislava.com/de 

 

Anreise: Mit Auto, Bahn oder Bus nach Bratislava. Mit dem Flugzeug von diversen deutschen Flughäfen nach Wien, von dort weiter per Bus nach Bratislava; Direktflüge von Berlin nach Bratislava

 

Unterkunft: Hotel Carlton, www.carlton.sk

 

Restaurant: Zylinder, Spezialität: Pressburger Schnitzel, www.zylinder.sk

 

Sehenswürdigkeiten: UFO-Aussichtsturm, www.redmonkeygroup.com/de; Majolika R in Pezinok, www.majolika-r.sk/?lang=de; Burg Cervený Kamen, www.slovakia.travel/de/burg-cerveny-kamen-hrad-cerveny-kamen 

 

Powered by: AOS - Design in Eislingen - Homepages vom Fachmann
Menschen, Reisen, Abenteuer