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Genfersee

Moderne Zeiten in Museen am Genfersee

Schwer, Genfersee

Die Technik macht heutzutage auch nicht vor der Museumspädagogik halt. Die Ausstellungsstücke dürfen angefasst werden, multimediale Spiele sind erwünscht. Über neue Museen in Vevey, die dem multinationalen Konzern Nestlé und dem überragenden Schauspieler Charlie Chaplin gewidmet sind. 

 

Von Norbert Krauss

 

Was haben Nestlé und Charlie Chaplin gemeinsam? Sie sind beide in Vevey am Genfersee zu Hause. In dieser Schweizer Kleinstadt ist ihnen mit modernen Museen, die im Sommer 2016 eröffnet worden sind, ein würdiges Denkmal gesetzt worden. 

 

Die Altstadt von Vevey – Wöwä gesprochen – ist voll von historischen Monumenten und Museen. Einige Schritte vom Grande Place entfernt geht es ins Herz der Stadt mit ihren Fußgängerzonen, Caféterrassen und Boutiquen. Auf den Uferstraßen überblickt die Statue von Charlie Chaplin, dem Wahrzeichen der Stadt, den See mit nachdenklicher und schalkhafter Miene.

Schweiz, Genfersee

Vor dem Alimentarium steckt eine überdimensionale Gabel im See als Hinweis auf das Museum. In dem Gebäude hatte die Familie Nestlé ihren ersten Sitz. Das vor 30 Jahren gegründete Museum wurde drei Monate lang vollständig erneuert und am 1. Juni 2016 wiedereröffnet. Es erforscht das Thema „Ernährung“ in all seinen Facetten – sei es aus historischer, wissenschaftlicher oder kultureller Sicht. „Mit dem Museum will das Unternehmen weltweites Wissen zur Verfügung stellen“, erklärt Führerin Franziska. „Die erste Etage ist frei zugänglich, im Garten finden Führungen für Schulklassen statt.“

Schweiz, Genfersee

Im Alimentarium haben die Besucher Gelegenheit, Essen einmal mit anderen Augen zu sehen. Sie erwarten Entdeckungen, Experimente und Vertiefung von Kenntnissen, wenn sie sich auf die Reise durch die drei neuen Ausstellungsbereiche begeben, in denen es um Nahrungsmittel, Produktionsarten, Kulturen und Bräuche aus aller Welt geht. Alles ist mit interaktiver Animation bestückt, zeigt globale und historische Perspektiven auf. Wer weiß schon, dass die Sonnenblumen in Amerika und die Tomaten in Mexiko ihren Ursprung haben?

Schweiz, Genfersee

Essgewohnheiten und Ernährungsratschläge ergänzen die Ausstellung. Überall sind Spieltische aufgebaut, an denen man das jeweilige Thema vertiefen kann. Im Obergeschoss befindet sich der praktische Teil. Hier sind die fünf Sinne dargestellt. Den Funktionen des menschlichen Körpers wird, unter anderem mit dem Nachbau eines großen Verdauungstrakts, gebührend Beachtung geschenkt. Das Museum organisiert auf Wunsch kulinarische Events, bei denen die Besucher Speisen selber zubereiten und kosten können. 

Das Erlebniszentrum „Nest“ gleich hinter dem Bahnhof fällt allein schon durch seiner außergewöhnliche Architektur auf. Auf diesem Grundstück hat mit Henri Nestlé 1866 die Firma ihren Anfang genommen. Zum 150. Jubiläum des Unternehmens wollte man durch die Einbeziehung von drei historischen Gebäuden das industrielle und kulturelle Erbe bewahren. Überbleibsel des alten Stammhauses wurden somit in den Neubau mit 6000 Quadratmeter Fläche integriert.

Schweiz, Genfersee

„Nestlé wollte sich anders präsentieren“, sagt Catherine Saurais, die Direktorin des Museums. „Der Mensch steht dabei im Vordergrund; dem Besucher werden Werte und Visionen vermittelt, und dadurch wird er zum Nachdenken angeregt.“ Das „Nest“ unternimmt einen multimedialen Ausflug durch 150 Jahre Geschichte des Unternehmens. Am Anfang des Rundgangs taucht man in Vevey ins 19. Jahrhundert ein. Die Besucher entdecken anschließend in mehreren Räumen den Ursprung der Geschichte und die Gründung der Firma Nestlé. So ist das Labor zu sehen, in dem Henri Nestlé als erster Milchpulver als Säuglingsnahrung und später Kondensmilch herstellte.

Scheiz, Genfersee

Im weiteren Verlauf wird aufgezeigt, mit welchen Innovationen Nestlé in jedem Zeitabschnitt aufgewartet hat. 1947 erfolgte die Fusion mit Maggi, neue Produkte wie Nestea, Nescafé und Nesquik kamen hinzu. 1962 wurde die Palette durch Saucen, Suppen und andere Instantprodukte ergänzt. Pulverkaffee und Milchschokoladen wurden in Vevey erfunden. 2400 Marken gehören heute zu dem multinationalen Konzern. In schillernden Farben werden die Vorzüge Nestlés geschildert. Die Ausstellung behandelt zudem Themen wie den Umgang mit den Ressourcen oder das Verhältnis von Wasser und Produktion. Abschließend wird geschildert, wie Wissenschaftler die Zukunft einschätzen. 

Chaplin’s World in Corsier oberhalb von Vevey vereint das einstige Wohnhaus des Künstlers und ein Gebäude mit einem Kinosaal und nachgebauten Filmstudios. In einer Parkanlage zwischen See und Bergen öffnet das mythische Manoir de Ban seine Türen für die Besucher und präsentiert ihnen die bedeutendsten Momente aus dem Leben des Künstlers. „Wir möchten den Blick hinter die Fassade vermitteln“, betont Jean-Pierre Pigeon, Direktor des neuen Museums. „Chaplin war komisch, unterhaltsam, aber er hatte immer auch eine zweite Ebene, die oft politisch war. Das berühmteste Ausstellungsstück ist das Klavier! Es ist das Original, mit dem Chaplin seine Filmmusik komponierte.“

Scheiz, Genfersee

Das Herrenhaus, in dem Charlie Chaplin seine letzten 25 Lebensjahre verbrachte, bis er 1977 starb, bietet Einblick in sein Privatleben. Dank der Wiederherstellung der Räume mit seinen Möbeln und persönlichen Gegenständen – die hier erstmals ausgestellt werden – hat der Besucher das Gefühl, am Familienleben Chaplins, seiner Frau Oona und ihrer acht Kinder teilzuhaben. Es wimmelt nur so von Zeitdokumenten. In jedem Zimmer flimmern Film- und Wochenschauausschnitte auf dem Bildschirm.

Scheiz, Genfersee

Auf dem Rundgang im großen Park findet der Besucher Abkühlung unter Schatten spendenden riesigen Bäumen. Es würde ihn nicht wundern, wenn der legendäre Künstler plötzlich um die Ecke biegen würde. Chaplins berufliche Welt lässt sich ihrerseits in einem eigens dafür gebauten großen Studio entdecken. Im Kino werden in einem zehnminütigen Film die wichtigsten Ausschnitte aus seinem Leben aufgeführt. Mit Ton, Bildern und Licht wurde ein Drehort mit echten Filmkulissen geschaffen. Besucher können dort selber Filmszenen nachstellen. Eine Manege, ein Bankschalter, eine Gefängniszelle – alles stammt aus Streifen wie „Moderne Zeiten“ „Limelight“, „Der große Diktator“ und seinem letzten, 1966 mit Sophia Loren gedrehten Film „Die Gräfin von Hongkong“. Fast lebensecht wirken dabei die Wachsfiguren der Schauspieler. Das Museum ist eine beeindruckende Hommage an Chaplin. Man könnte stunden-, nein tagelang durch die Räume wandeln und die einzigartigen Nachbildungen bewundern.

Scheiz, Genfersee

Auf der Fahrt von Vevey nach Lausanne durchquert man die Weinberge von Lavaux, die seit 2007 zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Der Wein wird auf engen, von Steinmauern gestützten Terrassen angebaut. Die Winzer produzieren hauptsächlich Weißweine aus der Chasselas-Traube. 

Lausanne, Sitz des Internationalen Olympischen Komitees, hat natürlich ein Olympia-Museum. Es ist weltweit das wichtigste Informationszentrum zur olympischen Bewegung. In ihm wird die Geschichte der Olympischen Spiele von der Antike bis zur Gegenwart anschaulich dargestellt. Das benachbarte ehemalige Fischerdörfchen Ouchy verfügt neben Hafen und Strand über mehrere Sehenswürdigkeiten: das Schloss, prächtige Hotels und Uferanlagen, die einer wundervolle Aussicht auf den Genfersee, auf Evian und auf die Berge Hochsavoyens bieten. Die Kathedrale von Lausanne auf dem Hügel der Altstadt verfügt über ein bemaltes Portal, das eigentliche Meisterwerk dieses gotischen Bauwerks, eine Rose aus 105 Scheiben mit Glasmalereien und eine imposante Orgel mit 7000 Pfeifen aus dem Jahr 2003. Die Kirchen sind seit der Reformation durch Zwingli im Jahre 1536 alle protestantisch. Die zahlreichen Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen im Zentrum laden zum Bummeln und Flanieren ein. Zu den Aushängeschildern der Stadt gehört das Flon-Quartier im Herzen von Lausanne, insbesondere wegen seines regen Nachtlebens. Und so kann man hier einen erlebnisreichen Tag gemütlich mit einem Glas Wein oder Bier ausklingen lassen.

Scheiz, Genfersee

 

 

Weitere Informationen: 

 

Schweiz Tourismus, Tel. 00800/100 200 30, Fax 00800/100 200 31 (beide kostenlos),  info@myswitzerlan>d.comwww.MySwitzerland.com. Lake Geneva Region, Tel. 00 41/21 613 26 26, Fax 00 41/21 613 26 00, www.genferseegebiet.ch. Montreux-Vevey Tourisme, Tel. 00 41/21 9684 15, Fax 00 41/21 9684 95www.montreuxriviera.com. Lausanne Tourisme, Tel. 00 41/21 613 73 21, Fax 00 41/21 616 86 47, www.lausanne-tourisme.ch

Anreise: Mit Auto oder Bahn über Karlsruhe und Bern nach Lausanne und Vevey. Mit dem Flugzeug von diversen deutschen Flughäfen nach Genf, von dort mit der Bahn über Bern nach Lausanne und Vevey

Unterkunft: Astra Hotel in Vevey, Tel. 00 41/21 925 04 04, www.astra-hotel.chHotel Mirabeau iLausanne, Tel. 00 41/21 341 42 43, www.mirabeau.ch

Restaurants: La Véranda in VeveyTel. 00 41/21 925 04 04Le Stamm in Vevey. Tel. 00 41/21 922 22 55. Hostellerie de Genève in Vevey, Tel. 0041/21 921 45 77Café Romand in LausanneTel. 0041/213126375 Brasserie de Montbenon in Lausanne,  Tel. 0041/213204030

 Sehensrdigkeiten: Alimentarium in Vevey, Tel. 00 41/21 924 41 11, www.alimentarium.chNest in VeveyTel. 00 41/21 924 17 0www.das-nest.chChaplin’s World in Corsier sur Vevey, www.chaplinmuseum.com

 

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