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Festa dos Tabuleiros

Berühmtes portugiesisches Fest:

Festa dos Tabuleiros

Portugal, Tomar, Festa dos Tabuleiros

Tief ergriffen steht Lina neben mir am Fenster des Rathauses von Tomar an diesem Sonntagnachmittag.

Die Augen unserer Reiseleiterin sind jetzt in diesem für sie emotionalen Moment feucht. Zu viele wunderbare Erinnerungen hat sie an dieses grandiose Festa dos Tabuleiros, das nur alle vier Jahre stattfindet und seinen Ursprung in der Heilig-Geist-Verehrung hat. Wird es doch seit dem 17. Jahrhundert in fast unveränderter Form in Tomar gefeiert. Zurück geht es auf das 12. Jahrhundert von Rainha Santa Isabel, der Königin von Portugal, die die Bruderschaften des Portugal, Tomar, Festa dos TabuleirosHeiligen Geistes gegründet und Brot, Fleisch und Wein an Bedürftige verteilt hat. Da schauen wir beide hinunter auf den Platz der Republik São João Batista, der in diesem Moment mit 684 Paaren vor der gleichnamigen großen Kirche um das Standbild von Gualdim Pais herum gefüllt ist. Jetzt haben alle Paare den fünf Kilometer langen Prozessionsweg hinter sich, der in den großflächigen Anlagen begann, durch die Altstadt-Fußgängerzone Rua Serpa Pinto hinauf zurPortugal, Tomar, Festa dos Tabuleiros Neustadt führte und zurück durch manch ein Altstadtgässchen bis hier hin auf den Rathausplatz. Vorbei ging es dabei an Menschentrauben, die vor den mit Papierblumen geschmückten Fassaden standen und über deren Köpfe rote Bettlaken zu Ehren Jesus Christus aus den Fenstern hingen.

Und hier an diesem späten Sonntagnachmittag­­ haben nun die 684 jungen Frauen ihre 20 bis 25 Kilogramm schweren Körbe - die Tabuleiros - nach gut drei Stunden Tragezeit auf ihren Köpfen abstellen können, die mit 30 Broten zu je 400 Gramm an Stöcken in Körpergröße befestigt aufgestapelt und mit Papierblumen geschmückt sind. Dann spricht der Bischof von Santarém seinen Segen aus und mahnt an, dass das Fest nicht nur zur Dekoration da sein darf, sondern es gerade in der heutigen schweren Zeit besonders wichtig ist, das Brot zu teilen.

Dann ist es beim ersten Glockenschlag gespenstisch still. Beim zweiten setzen alle 684 Männer ihren Partnerinnen die Tabuleiros blitzartig synchron auf den Kopf. Ein gigantisches Schauspiel!

Portugal, Tomar, Festa dos TabuleirosDabei ist unsere Vierergruppe erst am späten Donnerstagnachmittag mit Lina hier im geschichtsträchtigen Tomar im  portugiesischen Distrikt Santarém angekommen. Alle haben sich gleich in diese „Stadt der Templer“  mit den wunderschönen engen Gassen verliebt. Duckt Portugal, Tomar, Castelo dos Templários e Convento de Cristoes sich doch unter die zum UNESCO-Weltkulturerbe geadelte mächtige Klosterburg Castelo dos Templários e Convento de Cristo mit dem bekanntesten manuelinischen Fenster Portugals, dem Janela do Convento de Cristo.

Und in diesen Gassen, die jetzt noch mit Tüchern provisorisch den neugierigen Blicken bis zum Abend entzogen sind, dürfen wir als Gäste einige der 29 Kopfsteinpflaster-Sträßchen Portugal, Tomar, Festa dos Tabuleirosbewundern. Da haben die Bewohner einer jeden Gasse ihr eigenes Dekorationsmotto gewählt. Über sechs Monate lang verbrachten sie streng nach Straßen getrennt tausende von Arbeitsstunden mit der Herstellung von abertausenden bunten Papierblumen. „Das“, so erzählen uns Catarina und Cláudia mit strahlenden Gesichtern, „fördert die Gemeinschaft“. Portugal, Tomar, Festa dos TabuleirosDabei kommen die beiden jungen Damen gar nicht von Tomar. Sie leben abseits in einem kleinen Dorf. Lediglich Ihre Großmutter hat hier in der Gasse Travessa do Arco gewohnt und sie haben sie regelmäßig besucht. Mit großer Freude, die man ihnen ansieht, helfen sie seit Monaten fleißig mit.

Portugal, Tomar, Festa dos TabuleirosNach dem freitäglichen Festzug der Verwalter Cortejo do Mordomo mit herrlichen Kutschen stehen wir am Samstag schon früh auf dem Platz dos Templários, wo Lkw-weise aus allen umliegenden Dörfern Tomars die Paare mit ihren Tabuleiros auf den Ladeflächen sitzend zu den heutigen Stadtteilumzügen Cortejos Parciais dos Tabuleiros ankommen. Da spenden die jungen Tiago und Fábio frisches Wasser aus Tonkrügen unter der gleißenden Sonne an Paare wie Portugal, Tomar, Festa dos TabuleirosLiliana und Luís. Das verlobte Paar aus dem Dorf Freguesia de São Pedro nimmt zum ersten Mal hier teil. Dabei hat Liliana einem Monat lang geübt, einen 18 Kilogramm schweren Sandsack auf dem Kopf zu tragen. Sie freuen sie sich riesig, ein Bestandteil dieser Veranstaltung zu sein.

Es ist der letzte Tag des großen Festes. Wie wir jetzt an diesem Sonntagnachmittag hier an diesem Rathausfenster stehen und hinunter zu den Paaren schauen, die den Platz der Republik Portugal, Tomar, Festa dos Tabuleirosgefüllt haben, da erlebe ich eine sehr emotionale Lina. Ihre Augen sind feucht, wie sie aus tiefstem Herzen über die Menschen redet. “Dort unten,“ und dann macht sie eine lange Pause, „dort unten sehe ich nur strahlende Gesichter von Menschen, die ein riesiges Zusammengehörigkeitsgefühl haben. Es sind stolze Menschen. Dabei haben fast alle Familien in dieser schweren Zeit zu kämpfen. Ich kenne einige Familien – studierte Leute – die ihren Arbeitsplatz verloren haben. Ihre Häuser wurden zwangsversteigert und sie mussten mit ihren Kindern zu den Großeltern ziehen.“ Dann wendet sich Lina von mir ab und ich sehe aus den Augenwinkeln, wie sie sich ihre Tränen abwischt. In diesem Moment werde ich abgelenkt durch einen anhaltenden Applaus einer riesigen Zuschauermenge, der nicht enden will.

Gerd Krauskopf

Infos: http://www.tabuleiros.org/cartazes/ 

Gut geflogen bin ich mit der TAP Portugal, die mehrmals täglich von 6 deutschen Flughäfen nach Lissabon fliegt: www.flytap.com

 

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