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Winterreise

Winterreise nach Island - Selbstfindung einmal anders

Island

Astrid aus dem Rhein-Main-Gebiet hat hier ihr Glück gefunden. Vor fünf Jahren nahm sie eine Auszeit auf einem Pferdehof, inzwischen ist sie mit einem Schaffarmer verheiratet. Wie alle Isländer hat sie einen Zweitjob. Sie führt Touristen wandernd durch die entspannenden Weiten Ihrer Wahlheimat, nicht ohne von Zeit zu Zeit mit ihnen in die Mythen der Sagas ihrer Wahlheimat einzutauchen.

Die Orte, an denen die Isländer Sagas spielen, existieren wirklich. Am schwarzen Kiesstrand von IslandDjupalonssandur, auf den pausenlos meterhohe Wellen donnern, liegen die vier „Kraftprobesteine“ , mit denen die Eignung angehender Fischer getestet wurde noch immer an ihrem Platz: „Fullsterker“ (sehr stark, 154 kg), „Halfsterkur“ (recht stark, 100 kg), „Halfdraettingur“ (mittelmäßig, 54 kg) und „Amlodi“ (schwach, 23 kg). Nur wer wenigstens den drittschwersten Stein heben konnte, durfte auf einem der Fischerboote anheuern, die von der nahebei gelegenen Bucht Dritvik aufs Meer hinausruderten. Zwischen den Steinen Tang und Wrackteile des englischen Trawlers „Epine“, der hier 1948 strandete. Als die Wintersonne diese archaische Szenerie unvermittelt in weichgezeichnetes Licht taucht, verstummt Astrids Gruppe, genießt andächtig Stille und Wildheit  dieses Ortes.IslandMit unter ihre Schuhe gespannten Spikes  sind am Morgen dieses Tages alle auf winterglatten IslandPfaden zur Küstenwanderung zwischen Anarstapi und Hellnar aufgebrochen. Meer und Lava haben hier bizarre Formationen erschaffen: felsige Buchten und Strände mit schwarzem Sand. Zur Linken toben die arktischen Wasser, über die Köpfe hinweg segeln Möwen, Austernfischer, Trottellummen und Eissturmvögel, suchen von Zeit zu Zeit in Lava-Felshöhlen Schutz vor dem mitunter kräftig wehenden, kalten Winterwind. Rechter Hand, zur Landseite hin, wellen sich moosbedeckte Hügel, teils von Schnee bedeckt. Auch diese Landschaft hat etwas Mystisches, es würde niemanden wundern, tauchte hier plötzlich ein Hobbit auf. Apropos Moos: Hier also wächst das Kraut, dessen heilende Kräfte wir in Form von Islamoos-Lutschpastillen bei Halsweh herbei wünschen.Island

„Siggi hat sogar drei Jobs“, erklärt Astrid: Pferdezüchter, Schaffarmer und Fremdenführer auf den Spuren Erik, des Roten und Leifur, dem Glücklichen, seinem Sohn. In Wikinger-Kluft Islandgewandet, gibt er Islandheute den historischen Erzähler, steht an einem Ende eines Langhauses mit Wänden aus Grassoden im Freiluftmuseum von Erikstadir, hat ein Feuer angezündet, lädt seine Gäste ein, sich in die da herum gruppierten Betten zu setzen. „So eng, wie ihr jetzt beisammen seid, waren es einst auch die Wikingerfamilien in den kalten Wintern Islands. Bis zu 25 Menschen haben in einem solchen Haus gelebt. In einem solchen Haus hier im Haudakalur-Tal hat Leifur Eriksson  das Licht der Welt im Jahr 975 erblickt und mit  seiner Familie gelebt, der spätere Entdecker Amerikas“. Im Jahr 1000 hat Leifur, der Glückliche,  als erster Europäer erfolgreich die Küste Nordamerikas Islandangesteuert – also fast 500 Jahre vor Kolumbus. Das belegen archäologische Befunde an Neufundlands Küste. „Könnte aber sein, dass seine Entdeckung Amerikas Zufall war, meint Siggi, und er eher beabsichtigte, seinen Vater auf Grönland zu besuchen, dort aber vorbei segelte. Erik, der Rote, sein Vater hatte nämlich gehörig Mist gebaut, Nachbarn im Zuge eines Streits um Ländereien umgebracht und war nach Grönland verbannt worden“.

Gudmundur verfügt zwar auch über die kräftige Statur eines Wikingers, fährt aber nicht zur See, sondern hat in „the middle of nowhere“ niedergelassen.  2012 hat er seine „Vogur Lodge“ Islanderöffnet, nachdem er Land und Gebäude einem Kuhfarmer abgekauft hatte. Hier, wo sich heute Rezeption und Restaurant befinden, war früher der Heuschober, die Gästeunterkünfte befinden sich im Bereich der ehemaligen Ställe“, erklärt er. Obwohl einsam am Breidafjord gelegen, ist Islandseine Lodge ein guter Ausgangspunkt für Touren in der unmittelbaren Umgebung und auf der Halbinsel Snaefelsness. Und die ist Island im Kleinformat zum Kennenlernen. Mit dem Vulkan Snaefellsjokull samt Gletscher, in dessen Schlund sich laut Jule Verne der Mittelpunkt der Erde befindet, Lavafeldern, Fischerdörfern Steilküsten und Vogelschwärmen. „Jetzt im Winter, scheuen sich die allermeisten Touristen mit einem Mietwagen über vereiste Straßen zu fahren, deshalb führe ich mit meinem Allrad-Kleinbus selbst Ausflüge durch“. Gesagt, getan: Er bringt Islandseine Gäste an einem Morgen zu einem Aussichtspunkt und lässt sie unter Astrids Führung zur Lodge zurückwandern. Bevor die los wandern, genießen sie aber erstmal traumhafte Lichtspiele der Morgensonne mit Eisschollen und türkisblauen Meer. Fährt sie zu Lava-Wasserfällen oder lässt sie Spikes-bewehrt den schneeüberzogenen Krater eines Vulkans erklimmen. Und bei der Rückkehr zur Lodge wartet der „hot pot“, wie sie auf Island Jacuzzis nennen:  Man steigt aus windiger Kälte bis zum Hals in gemütlich warmes, brodelndes Wasser und oben drüber schneit es – das hat was Elementares.

„So, nach fünf Tagen abgeschiedener Einsamkeit, müsst ihr euch nun wieder an Touristen- schwärme gewöhnen“, warnt Astrid. Auf der Rückfahrt nach Reykjavik will sie mit ihrer Gruppe IslandIslandnoch die klassischen touristischen Highlights Islands besuchen, den „Golden Circle“: Im Pingvellir-Nationalpark mit der Allmänner-Schlucht war auch Angela Merkel schon zu Gast – ein Pflichtbesuch für jeden demokratischen Staatschef. Denn hier, an Islands bedeutendster historischer Stätte, gründeten die Wikinger im Jahr 930 das erste demokratische Parlament Europas, das Alping. Die tiefe langgezogene Schlucht bot ihnen effektiven Schutz vor Wind und Wetter während ihrer Beratungen. Ein Ort entrückter IslandSchönheit an diesem son- nigen Winter- morgen, unter stahlblauem Himmel nehmen die kleine Holzkirche, der alte Friedhof und die Gästehäuser für Politiker Konturen an, weich gezeichnet vom Schnee ringsumher. Die Sonne leuchtet auch das glasklare Wasser der Silfra-Spalte aus, wo die Kontinentalplatten Amerikas und Europas jährlich etwa zwei Zentimeter auseinander driften. Am Strokkur-Geysir rutschen Kinder amerikanischer Schulklassen auf Eisplatten gefährlich nah an die heißen Fontänen heran, die der mit für die umstehenden IslandFotografen beruhigender Zuverlässigkeit alle paar Minuten empor schießen lässt. Der Gulfoss, Islands berühmtester Wasserfall,  stürzt in zwei spektakulären Kaskaden in eine enge Schlucht. IslandDer an Sonnentagen im Sommer häufig als Regenbogen schillernde Sprühnebel ist nun vielerorts zu funkelndem Eis erstarrt. 

Nicht alle Höhepunkte einer Reise lassen sich planen. So einer ist ein Familienkonzert in der Harpa, Reykjaviks strahlender Konzerthalle mit Kulturzentrum, für das es noch wenige Restkarten gibt. Es stehen ausschließlich populäre Werke auf dem Programm, wie zum Beispiel Islandder „Säbeltanz“ von Katschaturian. Die Akustik ist brillant, zugleich lässt die Architektur alle typischen Elemente Islands Revue passieren, denen man in der vergangenen Woche begegnet ist: Die gläserne Außenfassade symbolisiert Eis, die roten und schwarzen Farbtöne innen stehen für Vulkan und Lava. 

 Uwe Junker        

 

Infos

Die beschriebene Reise kann bei Wikinger-Reisen gebucht werden, Telefon: 0 23 31 / 90 46

Telefax: 0 23 31 / 90 47 04.

Unter dem Link http://www.wikinger-reisen.de/wandern/island/5101.php finden Sie detaillierte Informationen zu Ablauf, Preisen und Terminen der beschriebenen Reise „Nordlichter und Sagas“.  Es handelt sich um eine geführte Standortreise mit drei Übernachtungen im Hotel Central Plaza in Reykjavik und vier in der Vogur Lodge. Mit Ausnahme von An- und Abreisetag ist Habpension includiert.

Die minimale Teilnehmerzahl beläuft sich auf 16, die maximale auf 24 Personen, Preise ab 1385 Euro, Abflughäfen Berlin, Frankfurt du München.                                

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