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Rundreise

Island

Rückzugsort für das Besondere

Blaue lagune

Wie Heidar Ragnarsson das kochendheiße Tetra Pak in seinen Händen hält, blubbert und brodelt es im kleinen grauen Schlammloch.

Dabei steht unsere kleine Gruppe mit ihm mitten auf einem Lavafeld im Haukadalur-Tal am Fuße des Laugarfjall-Berges, während nur einen Steinwurf entfernt hinter einem kleinen Hügel ab und an die berühmte Springquelle Geysir, nach der alle Springquellen der Erde benannt worden sind, ihrem mächtigen Dampf explosionsartig Luft macht.

Quellenbrot

Da hatten wir gerade nicht schlecht gestaunt, als der Koch des nahe gelegenen Hotels Geysir mit einer Schippe bewaffnet sein Quellenbrot „hverabrauð“ aus nur etwa dreißig Zentimetern Tiefe ausbuddelte. „Ich nutze bereits seit gut 13 Jahren Tetra Pak“, so erzählt der erfahrene Koch, „da sich die besondere Beschichtung von Papier mit einer dünnen Aluminiumfolie hervorragend dazu eignet, Brot in der heißen Erde zu backen“.

Quellenbrot

Wie dann jeder von uns eine Scheibe des Brotes abgeschnitten bekommt, da leuchten so manche Augen auf über dieses köstlich süße Brot, dessen weiche Konsistenz mich an unser Schwarzbrot erinnert. Dazu schmecken mir ausgezeichnet kleine Fischstückchen, die in einer Currysauce dargeboten werden.

„17 bis 24 Stunden bei einer Erdwärme von gut 90 Grad“, erzählt Heidar Ragnarsson, „muss der Brotteig in der Erde backen“. Wendet sich dann von uns ab und geht ein paar Meter hinüber zu einem brodelnden Wasserloch, aus dem er seine fertig gekochten Eier heraus holt, die er gut zehn Minuten zuvor in einem Tuch verpackt dort ins heiße Quellwasser eingetaucht hat.

Im Sommer, so erfahren wir von ihm, backt er gut zwölf Laiber Brot am Tag, jetzt im angehenden Winter sind es gerade noch zwei, die er auf diese ungewöhnliche Art aus dem heißen Boden holt.

Geysir

Wie wir dann über die Hügelkuppe zum Geysir Stokkur, dem kleinen Bruder des mächtigen Geysirs gehen, weichen wir den vielen kleinen kochenden Schlammlöchern aus. Der Große Geysir – so sagte man uns - sei in die Jahre gekommen und würde seine Fontäne nur noch unregelmäßig und selten herausspeien, während Geysir Stokkur in kurzen Abständen mächtige, bis zu 35 Meter hohe heiße Fontänen von sich gibt.

Während ich staunend eine Wassersäule nach der anderen bestaune, ist der dreieinhalbstündige Flug von Frankfurt zum Flughafen Keflavik hier auf Island längst vergessen. Blaue Lagune IslandDa hatten wir erst einmal auf halbem Weg vom Flughafen zu unserem Hotel einen langen Zwischenstopp in der Blauen Lagune, dem berühmtesten Badesee Islands, gemacht, um die Gunst des „Verjüngungsbrunnens“ in diesem herrlich heißen Wasser zu genießen.

So kamen wir erst bei Dunkelheit im kleinen Ort Hafnarfjörður an, der mit einem lebhaften Fischereihafen ausgestattet mitten in einem Lavagebiet vor Reykjavik liegt.

Wikinger

Wie die Wikinger in früheren Zeiten um ihr tägliches Überleben kämpfen mussten, aber auch raubend und plündernd durch fremde Länder zogen, dass zeigte uns Bjarni recht eindrucksvoll vor dem dampfenden Gott Thor im Wikingerlokal „Fjörukráin“ unten am Hafen.

So bekam dann auch jeder von uns ganz standesgemäß zur Einstimmung ein kleines Stück „Gammelhai“, das mit einem gut gefüllten Glas „Schwarzer Tod“ herunter gespült werden musste. Danach gab es ganz unspektakulär eine leckere Meeresfrüchte-Suppe und eine himmlisch zarte Lammkeule. Und zwischendurch wurde EhrenwikingerTanja von Bjarni ganz huldvoll mit dem Schwert zur Ehrenwalküre und Erkan zum Ehrenwikinger geschlagen.

Nach diesem feucht-fröhlichen Abend ging es heute Morgen dann zum Kraftwerk „Hellisheiðarvirkjun“, wo wir die Nutzung des größten Bodenschatzes Islands demonstrativ vorgeführt bekamen. Da schauten wir auf mächtige Maschinen, die aus Dampfenergie 700 Megawatt Strom gewinnen. Und über all diesen Giganten entdeckte ich zu meiner Freude einen riesigen Trägerkran der Firma „Kuli“ aus meiner Heimatstadt Remscheid.

Kraftwerk „Hellisheiðarvirkjun“Im Wärmeaustauschverfahren heizt das kochend heiße Salzwasser, das für die Rohre zu viel Salz und Mineralien besitzt und sie ganz schnell verschließen würde, kaltes Süßwasser auf. 83 Grad heiß wird es dann durch eine 27 Kilometer lange Pipeline vom Kraftwerk in fast alle Haushalte geschickt. Gerade mal 1,8 Grad verliert dabei das heiße Wasser auf dieser langen Strecke. Und ganz nebenbei werden die Straßen, unter denen diese Leitung verlegt ist, im Winter eisfrei gehalten. So ist das Land weltweit führend in der Nutzung sauberer Energien.

Gästehaus des Kraftwerks „Hellisheiðarvirkjun“  Und im gigantisch top modernen gläsernen Gästehaus des Kraftwerks erklärte der einheimische Fotograf und Pilot Emil Þór seine übergroßen Bilder vom Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull im vergangenen Jahr, dessen Aschewolke die Welt in Atem gehalten hat. Seine beeindruckenden Fotos hatte er aus einer kleinen Cessna machen können, bevor die Aschewolke alles vernebelt hatte.

Wie ich jetzt am Geysir einer mächtigen Fontaine nach der anderen nachschaue, werde ich aus meinen Tagträumen gerissen. Da vermisst man mich schon in unserem kleinen Reisebus. Mit einer Entschuldigung meinerseits bei den Mitreisenden geht’s dann nur einige Kilometer weiter Islandzum Gullfoss Wasserfall. Auf dieser Fahrt erfahren wir von unserem pfiffigen Reiseleiter Arthur Björgvin Bollason, dass es diesen wohl bekanntesten Wasserfall, der über zwei Stufen einmal 11 und dann 21 Meter tief in einen mächtigen Canyon stürzt, heute um Haaresbreite gar nicht mehr in dieser Art geben würde. Wollte doch vor vielen Jahren eine englische Gesellschaft dort ein Kraftwerk errichten und hatte bereits mit dem Bauern des Brattholt-Hofes, dem Eigentümer dieses Geländes, Einigung erzielt. Nur dem energischen Einschreiten seiner Tochter, die sich in die reißenden Fluten dieses Wasserfalls stürzen wollte, verdanken wir heute, dass der Verkauf dieses gigantischen Naturspektakels nicht zustande gekommen ist.

Gullfoss-WasserfallMächtig beeindruckt spazieren wir den Fußweg hinunter zur Aussichtsplattform, einer natürlichen Felsformation mit fantastischer Panoramaaussicht. Fast zum Greifen nahe rauscht das Wasser des Flusses Hvítá lautstark an mir vorbei und stürzt in einem Winkel von neunzig Grad in den engen, zweieinhalb Kilometer langen Gullfoss-Canyon, bevor es sich im Flachland unspektakulär seinen weiteren Weg bahnt. Diese Urgewalten haben es fertig gebracht, den Canyon seit der letzten Eiszeit vor gut 10 000 Jahren etwa fünfundzwanzig Zentimeter pro Jahr auf heute siebzig Meter Tiefe zu fräsen.

Þingvellir Ein weiteres Phänomen lernen wir dann an einem dieser späten Nachmittage kennen. Da schauen wir von einer Besucher-Plattform im Nationalpark und UNESCO Weltkulturerbe Þingvellir in jene spektakulär langgestreckte Erdspalte, an der die beiden Kontinentalschollen, die auf dem glutflüssigen Erdinneren schwimmen, jedes Jahr genau hier an dieser Stelle Millimeter für Millimeter auseinander driften. Und durch das Abdriften der beiden Kontinentalplatten hat die glutflüssige Magma, auf deren erstarrten Felsblöcken wir heute stehen, Zutritt zur Erdoberfläche.

Haben doch bereits die Wikinger an diesem magischen Ort in einer der landschaftlich faszinierendsten Regionen Islands im Jahre 930 unter den Felsen in der Spalte „Almannagjá“ ein spannendes Demokratie-Experiment gewagt, als sie sich hier zum ersten Mal  zu einem „Allthing“ versammelten.

Wie die Wikinger in frühen Zeiten auf dieser Insel gelebt haben, das erfahren wir in der historischen  Ausstellung  „871±2“ in der Innenstadt von Reykjavík. Hier werden vergangene Zeiten gut dargestellt bewahrt. Im Anschluss daran wartet auf uns im populären Restaurant Reykjavik„Sjávargrillið“ eine kulinarische Besonderheit. Da entdecken wir auf der Speisekarte als Vorspeise gegrillten Papageientaucher, geräucherten Kormoran und Minkwal. Und während die eine Hälfte der Gruppe entsetzt auf diese Vorspeise reagiert, gehöre ich zu denjenigen, die einmal im Leben so eine exotische Vorspeise probieren müssen.

Als dann der fein drapierte Teller vor mir steht, koste ich sehr vorsichtig. Da schmeckt der gegrillte Papageientaucher ein bisschen nach Rostbeef, der Kormoran leicht fischig und ist etwas zäh, wobei der Minkwal recht neutral und nicht besonders fischig schmeckt.

Wie dann an diesem Nachmittag der Wettergott seine Schleusen öffnet, verziehen wir uns ins „Spa Fontana“  am malerischen See Laugarvatn. Hier lassen wir uns für eine Weile mitten in einer wunderschönen Landschaft in „Hot Pots“ und Dampfbädern verwöhnen, die ein entspannendes Spa-Erlebnis bereiten.

Eyrarbakki Bei unserem Besuch am Meer werden wir in Eyrarbakki am letzten Abend mit den Produkten der lokalen isländischen Brauerei Ölvisholt vertraut gemacht. Hier kosten wir die köstlichen Biere, die aus dem hervorragenden isländischen Quellwasser hergestellt werden. Dabei schmeckt mir das preisgekrönte, cremig schmeckende Reyktur Imperial mit seinen 9,4 % Alkohol am besten. 

Fischerhütte in EyrarbakkiNach dieser besonderen Bierpause geht’s gut  „vorgeglüht”  vorbei an alten Fischerhäusern nur ein kurzes Stück mit dem Kleinbus hinüber zum Hummerrestaurant  „Fjöruborðið“ in Stokkseyri. „Hier”, so sagt uns Reiseleiter Arthur mit leuchtenden Augen, „kann man, ohne dass man auf Land stößt, bis zum Südpol hinunter schippern”.

Bei köstlichem Hummer und einem guten Humpen Bier erzählt uns dann Arthur aus seiner Jugend. Wie sie zum Beispiel Schnaps ins Tanzlokal geschmuggelt haben, weil er dort für sie unerschwinglich teuer war. Während die jungen Männer abgetastet wurden, bekamen die jungen, flachbusigen Mädchen einen mächtigen Büstenhalter verpasst. In ihnen hatte man mit Schnaps gefüllte Luftballons versteckt. Und so hatten die jungen Damen seinerzeit alle eine beträchtliche Oberweite.

Gerd Krauskopf

Infos:

 

 

Anreise:

ICELANDAIR hat mit München und Frankfurt zwei ganzjährige Verbindungen nach Deutschland. Im Sommer, von Juni bis September, kommen Direktflüge nach Hamburg dazu.

Informationen:  ICELANDAIR, Weissfrauenstrasse 12 - 16, 60311 Frankfurt am Main.

www.icelandair.de

 

Unterkunft:

Gewohnt haben wir im

Hotel Hafnarjördur,

Reykjavíkurvegi 72,

220 Hafnarförður (Vorort von Reykjavík).

www.hhotel.is

 

Kulinarisches:

Fjörukráin, ein rustikales Wikingerlokal im Vorort Hafnarfjördur, www.fjorukrain.is

Lækjarbrekka, ein Feinschmeckerrestaurant in der Innenstadt von Reykjavík www.laekjarbrekka.is

Fjörubordid, ein populäres Hummerrestaurant, romantisch gelegen im kleinen Dorf Stokkseyri an der Südküste, etwa 45 Minuten von Reykjavik entfernt.

www.fjorubordid.is

 

Freizeitvergnügen:

Laugarvatn Fontana Spa, ein schönes Spa mit Dampfsaunas am See Laugarvatn, im südlichen Flachland, etwa 1 Stunde von Reykjavík entfernt

www.fontana.is

Laugardalur Spa, ein grosses Spa mit zahlreichen Saunas und "Hotpots", an dem grössten  Freibad im Osten von Reykjavik

www.laugarspa.is

 

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