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Berlin

Berlin:

Eine Momentaufnahme aus einem Liegestuhl im 37. Stockwerk über einer Stadt,

die ständig im Aufbruch ist zu neuen Ufern.

Deutschland, Berlin, Brandenburger Tor

Meine Begeisterung kennt keine Grenzen. Dieser Ausblick, unglaublich. Ich bezahle meine drei Euro Eintritt für die Benutzung der überdachten Sonnenterrasse des Hotel „Park Inn“, die sich im 37. Stockwerk befindet.

Die leichten Ohrprobleme von der rasanten Fahrt mit dem Hotelaufzug sind schnell vergessen beim Anblick des gigantischen Fernsehturms, der sich zum Greifen nahe vor mir in den Himmel streckt. Tief unten auf dem Alexanderplatz erkenne ich eine Menschentraube, die darauf wartet, ins Drehrestaurant des „Telespargel“, wie ihn die Berliner nennen, hinauf befördert zu werden.

Deutschland, Berlin, Alexanderplatz

Von hier oben ist es nur eine Handbreit hinüber zum Roten Rathaus. Dort hinten im Inneren des Klaus Wowereit Neorenaissancebaues mit seinen roten Backsteinmauern regiert also der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit seine Stadt und sein Land Berlin. „Und das ist gut so,“ wie er meint. Berlin ist heute wieder eine lebendige, medienumschwärmte hektische „In-Metropole“, die viel Lebensqualität bietet. Von hier oben sieht man, dass sie viel Grün besitzt und großzügig angelegt ist. Acht Städte und über achtzig Gemeinden hat diese Stadt einmal Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts geschluckt. Man sieht auch, dass immens viele Wohn- und Geschäftsviertel in der letzten Zeit entstanden sind.

Deutschland, Berlin, Potsdamer Platz

So ist aus Europas größter Baustelle mit großer Euphorie wieder ein intaktes Berlin geworden. Ein Berlin, das Dank der Rolle als Hauptstadt und Regierungssitz bald zwanzig Jahre nach der Deutschen Einheit seine Grundlage völlig erneuert hat. Und es ist wahrlich eine Stadt der Toleranz und der unüberschaubaren kulturellen Angebote.

Lange stehe ich wie angewurzelt an diesem stabilen Geländer mit dem groben, festem Maschendrahtzaun, der zur Sicherheit bis unters Dach gespannt ist. Ab und an schiebe ich das Objektiv meiner Kamera durch eine dieser groben Maschen und drücke auf den Auslöser, wenn ich wieder etwas Neues entdeckt habe. Aber dann wird es mir auch zu viel. Ich trete ein paar Schritte zurück und mache es mir bei diesem wunderschönen Sonnenuntergang in einem der bereitstehenden Liegestühle bequem.Deutschland, Berlin

Etwas zur Ruhe gekommen, blicke ich aus meinem Liegestuhl auf die Schienen dort unten, auf denen hochmoderne ICE-Züge sowie alte gelb-rote S-Bahnen wie kleine Spielzeug-Eisenbahnen ihre Bahnen ziehen.

Dabei suchen meine Augen das Häusermeer nach dem schönen neuen Glaspalast des Hauptbahnhofs ab, den ich mir am heutigen Vormittag angesehen habe.Deutschland, Berlin, Hauptbahnhof

Von dort war es dann auch nur einen Katzensprung ins Regierungsviertel zu „meinen“ Volksvertretern. Und da ich niemanden von ihnen zu Gesicht bekomme, das aber auch nicht vermutet habe, bin ich gleich durchgestartet zum Zirkus am Brandenburger Tor mit den vielen Straßenkünstlern und Musikern.

Deutschland, Berlin, Pariser Platz, Brandenburger Tor Dabei habe ich die Entwicklung Berlins über lange Zeit hinweg beobachtet und bin bei meinem Eintreffen an diesem Mittag am Pariser Platz begeistert über das Flair dieses Prachtplatzes mit dem neuen, markanten Gesicht. Selbst die viel gescholtene Fassade der Amerikanischen Botschaft, so kommt mir beim Betrachten in den Sinn, ergänzt dieses weltstädtische Ensemble.

Später dann, nach einem aufbauenden Cappuccino und einem leckeren Stück Kuchen in einem dieser In-Cafes in der Nähe des Brandenburger Tores, spazierte ich dann wieder mit neuer Kraft entlang des Prachtboulevards „Unter den Linden“ in Richtung Alexanderplatz.

Deutschland, BerlinVorbei an den prächtigen Hinterlassenschaften aus Barock und Klassizismus, bin schräg gegenüber dem Berliner Dom stehen geblieben und habe fassungslos auf die letzten Reste des Palastes der Republik geschaut.

Vom früheren Tagungsort der DDR-Volkskammer ist nichts mehr übrig. Vielleicht stehe ich ja bei einem meiner späteren Besuche vor dem neuen alten Berliner Schloss. Ein original großer Schlossvorhang an dieser Stelle ist mir noch gut in Erinnerung.

Ungläubig mache ich mich auf den Weg zu meiner Aussichtsplattform.

Und da liege ich jetzt nun auf dieser Sonnenterrasse im 37. Stockwerk dieses Hotelkomplexes und lasse es mir in meinem Liegestuhl gut gehen. Da warte ich wieder auf den Sonnenuntergang mit spektakulären Fotos.

Damit mich die Sonne nicht schlaftrunken macht, stehe ich hin und wieder auf und bediene meinen Fotoapparat.

Deutschland, Berlin, Hackesche Höfe Bei einem dieser Bilder kommen mir die Hackeschen Höfe vor die Linse. Dabei denke ich an alte Zeiten, in denen ich alle zwei Wochen fürs Wochenende in dieser Stadt weilte und diese verwinkelten Hinterhöfe und idyllischen Durchgänge in der Spandauer Vorstadt mit ihrer Kneipenszene mit dem kreativen und intellektuellen Publikum geliebt habe. Und heute, da ist ein anderes Flair. Da haben hochpreisige Boutiquen, Werbeleute, Galeristen und teure Restaurants das Sagen. Da ziehen Horden von Menschen durchs Hackesche Viertel, die die Boheme verjagt haben.

 deutschland, Berlin, Scheunenviertel

Nur ein paar Straßen weiter habe ich dann doch noch an einem dieser vorhergehenden Abende im Scheunenviertel in der Sophienstraße ein nettes ruhiges Lokal gefunden. Vom CVJM wird es betrieben und Andreas Erhard führt es mit Mirjam, einer freundlichen Kellnerin. Von Andreas erfahre ich, dass dort einmal Maulbeerplantagen gestanden haben, die man für die Seidenraupenzucht benötigte. Es entstanden Textilfabriken, Gips- und Kalkbrennereien, Bierbrauereien, Herbergen und Holzverarbeitungsbetriebe. Und so mussten die Scheunen weichen. Es entstand eine Mixtur aus Slums, Straßenmärkten Kneipen und Hinterhofmilieu, in denen Armut herrschte. Juden und Christen lebten hier, die von der Nazi-Diktatur jäh und brutal beendet wurde. Ein solches Zeugnis legen die Sophiensäle gleich neben dem Restaurant ab. Man vermutet es kaum, aber hinter einer herrlichen Backsteinfassade des Handwerkerverein Berlin gab es einen Raum, in dem 3.000 Menschen Platz hatten und von „unseligen Prominenten“ aufgehetzt wurden. Heute gibt es wieder in den „Sophiensälen“ Veranstaltungen der neuen Berliner Kunstszene.

Deutschland, Berlin, Alexanderplatz in

Und dann, ich hätte es bald vor lauter Träumereien verpasst, versinkt der rot glühende Sonnenball am Horizont mitten im Gewirr der Häuser und die „blaue Stunde“ beschert mir einen unvergessenen Blick auf meinen jetzt angestrahlten Fernsehturm. In den umliegenden Häusern gehen nach und nach die Lichter an und das Nachtleben dieser nie schlafenden Metropole kann beginnen.

Gerd Krauskopf

 

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