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Sharjah

Emirat Sharjah: Ganz nah an Dubai – und doch ganz anders

Sharjah

Gäste erleben ein arabisches Märchen in einem Emirat, das das Ursprüngliche anstrebt und sich vom Glitzern des Nachbaremirats abhebt

 

Von Gerd Krauskopf

 

 

Glänzend steht der 600er Mercedes-Benz am Empfang vor dem Hotel. Bis zu 100 Exemplare dieser Nobelkarossen sollen arabische Königshäuser in ihrer Garage stehen haben. Da wird sich so mancher Scheich in diesem Pullman staatsmännisch gefühlt haben. Die Luxuslimousine Sharjahist der einzige Hinweis auf Prunk und Pracht - die historische Altstadt von Sharjah bezaubert vielmehr mit traditionell arabischen Baustil. Keine Neonreklame stört den hellen Sandstein, die Glitzerwelt des Nachbaremirats Dubai ist weit weg. 

 

Mit dem ambitionierten Denkmalschutzprojekt „Heart of Sharjah“ geht man hier den umgekehrten Weg wie Dubai. Dort muss alles größer, schneller, höher, glamouröser und „entertainiger“ werden. Im benachbarten Sharjah – es nimmt nur drei Prozent der Fläche der Vereinigten Arabischen Emirate ein – strebt man an, das Ursprüngliche zu bewahren beziehungsweise wieder herzustellen. So lag auch beim Umbau des Hotels Al Bait Sharjah der SharjahHauptfokus darauf, die insgesamt fünf zum Resort gehörenden historischen Gebäude so zu restaurieren, dass die Geschichte zu neuem Leben erweckt wird: Islamisches Erbe trifft auf eine inspirierende zeitgenössische Szene. Und das unter den strengen Augen der Unesco, die das Projekt in der Bauphase ohne finanzielle Beteiligung auf den Original-Fundamenten der verfallenen Häuser begleitet hat. 

 

Schattige Gassen mäandern durch die Anlage, Innenhöfe entpuppen sich als geschmackvolle arabischen Designoasen. Im hoteleigenen Museum erwarten den Besucher vergilbte Fotos von einem damals noch unentdeckten Emirat Sharjah in der Zeit vor dem Ölboom. Im Jahr 1927 baute die Familie Al Midfa das Haus und gelangte mit dem Handel von Perlen zu großem Reichtum. Was dazu führte, dass es der Familie hier zu eng wurde und sie sich anderweitig mit einer prächtigen Residenz orientierte. 

 

Belege beweisen, dass die Stadt Sharjah bereits seit mehr als 5000 Jahren existiert und immer als eine der reichsten Städte in der Region galt. Noch heute hat sie sich – im Gegensatz zum Nachbarn Dubai mit den westlichen Superlativen – ihre arabische Seele bewahrt und gilt seit langem als „Emirat der Künste“. Das verdankt es nicht zuletzt dem kunstsinnigen Herrscher SharjahSultan bin Mohamed al-Qassimi III. Mehr als 20 Museen, die  Einblick in das frühere Leben des Küstenortes geben, und eine Biennale für zeitgenössische Kunst im Jahr 1998 hat den Unesco-Titel „Kulturhauptstadt der Arabischen Welt“ eingebracht. Auch spricht man hier davon, dass ein riesiges Hochhaus dem Projekt „Heart of Sharjah“ zum Opfer fallen soll, um die Altstadt entsprechend zu komplettieren. Dann werden wieder zahlreiche Kaufmannshäuser mit ihren Windtürmen, die Vorläufer der modernen Klimaanlagen, das Altstadtbild ergänzen.

 

SharjahEine beliebte grüne Oase inmitten der Stadt ist die Insel Al Noor in der Khalid Lagune, die 2015 eröffnet wurde. Dort spaziert man umgeben von Kunst und mehr als 70000 verschiedenen Pflanzen im Schatten mehrerer hundert Arten von Bäumen. Während einige Baumarten auf der Insel heimisch sind, wurden die meisten aus der ganzen Welt zusammengetragen. Wie der auffällige Florettseidenbaum, der Silk Floss Tree. Dabei ist sein Stamm mit Stacheln besetzt und unförmig im unteren Bereich angeschwollen. In Trockenzeiten dient sein tonnenförmig Sharjahangeschwollener Stamm als Wasserspeicher, was ihm in Südamerika den Namen „betrunkener Baum“ eingebracht hat. Ein Stück eines versteinerten Baumstammes soll sogar 35 Millionen Jahre alt sein. Die größte Attraktion ist jedoch das ergonomisch gestaltete und von der Natur inspirierte Schmetterlingshaus, das mehr als 500 Schmetterlinge aus 20 exotischen Arten aufweist. Experten schwärmen von der rosa Rose, dem smaragdgrünen Schwalbenschwanz und dem Schwanzhäher.

 

Während in unseren heimischen Breitengraden Regen zum Alltag gehört, ist er hier eine Besonderheit und die Sharjah ART Foundation präsentiert ihn seit 2018 in einem besonderen Gebäude, dem „Rain Room“. In einem riesigen dunklen Raum, der nur von einem seitlichen SharjahStrahler erleuchtet ist, regnet es. Ohne jedoch nur einen Tropfen abzubekommen, prasselt er um die Besucher herum nieder. Die Kunstgruppe Random International mit Sitz in London und Berlin hat dieses Meisterwerk bereits in London, New York, Shanghai und Los Angeles präsentiert.

 

Vor dem Hotel fällt der Blick noch einmal auf die gestretchte Sternmarke aus der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders. Wäre ein Ausflug mit dieser V8-Repräsentations-Limousine der Extraklasse nach Dubai nicht doch reizvoll gewesen? Nun, der Wagen ist nicht fahrbereit und auf Steinen aufgebockt …

 

Weitere Informationen:

 

Hotel: Al Bait Sharjah, Al Mareija, Sharjah, United Arab Emirates, Tel. 00800/1010, 17 Kilometer vom Flughafen Dubai (DXB), https://de.lhw.com/hotel/Al-Bait-Sharjah-United-Arab-Emirates

 

Al Noor Island: Buhaira Corniche Road, Khalid Lagune, gegenüber der Al Noor Moschee - Al Majaz, Sharjah, Öffnungszeiten 9 bis 23 Uhr. Schließt am Wochenende um 12 Uhr, Tel. 00971/65067000, Eintritt Al Noor Island: AED 35 pro Person ab 13 Jahren; AED 20 pro Kind von 3 bis 12 Jahren. Eintritt ins Schmetterlingshaus kostet zusätzlich AED 15 pro Person ab 13 Jahren; AED 10 pro, Kind von 3 bis 12 Jahren

 

Rain Room: Al Mujarrah, Sharjah, Samstag bis Donnerstag 9 bis 21 Uhr, Freitag 16 bis 23 Uhr, Eintritt: Erwachsene 25 AED, Studenten 15 AED, Kinder bis 5 Jahren Eintritt frei, Menschen mit Behinderungen und ein Begleiter freier Eintritt, Tel. 00971/65610095 

 

Reiseveranstalter: Luxury Dreams bietet das Al Bait Deluxe Zimmer inkl. Frühstück ab 168 Euro pro Zimmer/Nacht. Buchbar über Luxury Dreams und nach individuellen Wünschen des Kunden kombinierbar mit anderen Destinationen, www.luxurydreams.de, Tel. 030/21965690

 

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