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Michael Scharang

 

Michael Scharang

Komödie des Alterns

 

Suhrkamp Verlag Berlin 2010

ISBN-Nr. 978-3-518-42135-2

 

Man muss sich nicht selbst wiederfinden in diesem meisterhaft geschriebenen Roman, um ihn zu genießen. Das Interesse ist aber sehr schnell bereits im Prolog geweckt: er erzählt über den abgrundtiefen Hass, den zwei Männer im Alter von ca. 60 Jahren einander entgegenbringen – und dies nach einer fast lebenslangen, ebenso tiefen Freundschaft. Wie können zwei Menschen in eine solche Situation geraten?

 

Die zwei Männer sind Zacharias Sarani, der Ägypter, und der österreichische Schriftsteller Heinrich Freudensprung. Gegensätzliche Charaktere, völlig unterschiedliche Lebensweise und –wege und doch durch tiefe gemeinsame Interessen verbunden pflegen sie 40 Jahre lang freundschaftlichen Kontakt, der plötzlich abbricht – bedingt durch die Entfernung  (Sarani lebt in Ägypten, Freudensprung in USA), aber auch durch die Rückschlüsse, die aus den zutage getretenen Sachverhalten gezogen werden.  Jeder sieht sich in einem zentralen Punkt seines Lebens verletzt und doch ist genau dieser Umstand dem anderen nicht bekannt. Dennoch: die lange Verbundenheit bewirkt ein „letztes“ Treffen, in dem jeder dem anderen seine Wut und Enttäuschung entgegen schleudern will und nicht zuletzt auch die Schuld am eigenen schlechten Gesundheitszustand dem anderen zuschiebt. Während des Fluges von New York nach Kairo einerseits und dem Warten auf den Ankommenden andererseits wird in langsamen, eindringlichen Schilderungen – quasi in Slowmotion –  die wechselseitige Sichtweise entwickelt. Wir nehmen Einblick in den Charakter der beiden Hauptfiguren, wir entdecken ihre verbindenden Ansichten und damit in „linke“ Lebenseinstellungen, ihre gemeinsame Liebe zur Musik und zur deutschen Sprache, etwa wenn der Ägypter über die Windstille sinniert: “jene deutsche Sprache, die er im Alter von zehn Jahren zu lernen begonnen hatte …. wollte offenbar, dass auch die Stille herrscht.“ Wir lesen Betrachtungen über Baukunst und lernen etwas über ägyptische Lebenseinstellungen und politische Verhältnisse. Philosophische  Einflechtungen   „…wenn er davon sprach, dass Menschen, die unter unerträglichen Bedingungen leben, selbst unerträglich werden…“ (ist das so?) lassen auch innehalten beim Lesen und geben Raum zum Nachdenken.

Trotz aller Ernsthaftigkeit ist das alles mit einem Augenzwinkern erzählt und erweist sich letztlich doch als Komödie des Lebens.


 

Gisela Baumann-Wagner

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